7kg

Dieser Beitrag ist etwas mehr, als ein 08/15 Outfit-Blogpost. Etwas mehr als „Das letzte sommerliche Outfit“. Es ist eigentlich eine Umarmung. Von mir an mich.

Eine Umarmung um das Nicht-Perfektsein, um 7kg mehr, um meine Flaws, um Ecken und Kanten und Macken. Aber auch meine Meinung zum seltsamen #bodypositivity-Trend und warum ich finde, dass Größe 38 kein verdammter Makel ist, den man beheben sollte.

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Ich muss hier zunächst Mal nämlich ein Geständnis machen: Vor 4 Monaten habe ich mich im Fitness-Studio gewogen. Daheim haben wir keine Waage und werden wohl auch nie eine haben, daher nehme ich alle paar Monate gerne die Gelegenheit wahr, mich im Studio zu wiegen. Die Waage zeigt hier ganz ehrliche 67kg an. Ich bin 1,69m groß. Jetzt kann jede Neugierige Leserin sich auch meinen BMI ausrechnen… ;) Er beträgt übrigens mit 23,5 ziemlich genau das Mittelmaß für einen gesunden BMI, der zwischen 20 und 25 liegt.

Als Kommentar im BMI-Rechner steht: „Sie scheinen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten und auch die Bewegung kommt bei Ihnen nicht zu kurz. machen Sie weiter so!“  – Trotzdem bin ich zuerst entsetzt. Warum? Weil ich 7kg zugenommen habe.

Und das irgendwo in den letzten 12 Monaten. Wie ein Schneeball, der durch die Desserts, Buffets, Dinner, Brunches und Cocktails dieser Welt gerollt ist und dabei unaufhörlich an Masse zugelegt hat.

Ich könnte jetzt natürlich sagen, dass es schleichend kam, heimlich, ich doch alles für eine schlanke Linie getan hatte und es nur die Kalorien-Tiere waren, die sich in meinen Kleiderschrank geschlichen und meine Kleidung enger genäht haben. Aber die Wahrheit ist: Ich habe es gemerkt, die Veränderung ist mir aufgefallen. Aber es war mir egal. Es war mir recht. Wenn ich in den Spiegel geschaut habe (und immer noch schaue) sehe ich eine lachende, glückliche, selbstbewusste, attraktive Frau mit einem verdammt schönen Busen. Manchmal zweifle ich. An mir. An meinem Körper. An meinen Entscheidungen. Wie eine jede von uns das ein oder andere Mal. Aber im Großen und Ganzen ist alles ziemlich spitze!

Die erschreckende Erkenntnis ist nämlich, dass ich, als ich noch wesentlich weniger Gewicht auf den Rippchen hatte, nicht weniger unzufrieden war und genau so viel gemotzt habe. Wegen Dellen auf den Haxn oder wegen Fältchen. Es gab immer etwas zu Kritisieren, immer was zum Meckern, immer was zum Optimieren.

7kg hören sich nach verdammt viel an und vielleicht ist es das auch. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Vielleicht ist es wirklich komplett normal, dass der Arm dicker wird, wenn man ihn auf Fotos an den Körper drückt. Vielleicht ist es in Ordnung, Bauchfalten zu haben, wenn man sitzt.

Vielleicht ist jetzt einfach der Moment gekommen, sich das einzugestehen, was man spätestens dann wusste, als der Kater nicht mehr einen Nachmittag, sondern 48h dauerte: Ich werde nicht jünger. Mein Körper hat nicht aufgehört, sich in der Pubertät zu verändern. Er verändert sich immer noch. Und wird es immer tun. Mit 20 habe ich auch nicht in die Hosen gepasst, die ich mit 16 getragen habe. Vielleicht ist es daher auch an der Zeit, mein neues Ich, meinen neuen Körper genau so zu umarmen und zu lieben wie immer. Ohne immer nur auf Makel zu achten. Oder es überhaupt als Makel zu sehen.

Größe 38 ist kein Makel. Aber seit wann ist das nicht selbstverständlich?

Vielleicht habt ihr auch schon von der #bodypositivity-Bewegung gehört. Im Wesentlichen geht es darum, alle Frauenkörper welcher Art auch immer schön zu finden. Ihr kennt mich: Ich bin grundsätzlich erstmal dafür! Sich selber gut finden? Dafür! Andere gut finden? Dafür! Jede Form, Farbe, Behinderung, Narbendichte, fehlende Beine oder Arme, Behaarung, Größe anerkennen? Dafür! Aber darf ich trotzdem noch selbst entscheiden, was ich als schön empfinde, ohne dass sich Menschen darüber echauffieren?

Mir ist es egal, wie du aussieht. Du kannst behaart sein wie ein Wookie, dick sein wie ein Elefant, der tollste, liebste Mensch ever sein, mit dem ich am allerliebsten Zeit verbringe – aber ich muss dich nicht schön finden. Und das muss auch in Ordnung sein!

Schönheitsfindung ist nicht im Grundgesetz verankert und man kann sie nicht einfach mit einem Hashtag einfordern. Auch Kunst ist nur dann schön, wenn es jemand als schön empfindet.

Worauf will ich eigentlich hinaus?

Unter #bodypositivity werden viererlei Frauenkörper gezeigt, mal mit mehr, mal mit weniger auf den Rippen. Mit Narben und Dehnungsstreifen. Mit urdichtem Wuchs oder mit hervorstehenden Rippenknochen. Oder einfach die Frauen mit Größe 36-40. Die Botschaft: Du bist schön, TROTZ deines Makels.

Vielleicht war die Grundgedanke von #bodypositivity gut und voller Liebe. Aber inzwischen mischt sich für mich ein fahler Beigeschmack bei. Nämlich, dass das Normale irgendwo bei #tighgap und #a4challenge liegt. Und alles andere jenseits der Norm ist. Ein Makel eben.

Aber ich will meinen Körper nicht mehr als einen Makel wahrnehmen. Sondern wie etwas wirklich Großartiges, dem ich gerne Gutes gönne. Vorletzte Woche war ich 7 Mal im neuen Bikram Studio in München im Tal, wo vielleicht wieder das ein oder andere Kilo verschwand. Letzte Woche war ich bei der Kosmetikerin. Mir geht es so gut!

Und nein: Ich möchte vor der Hochzeit nicht nochmal schnell was an Gewicht verlieren. Ich heirate in knapp über einem Monat und habe nicht vor, mich von Salat und ölfreiem Dressing zu ernähren… ;)

Also Mädels. Das ist sie, meine ehrliche Story von den 7 Kilos.

Ganz abgesehen davon, dass der BMI der größer Shit überhaupt ist – weniger auf Waage schauen, mehr auf den eigenen Körper hören. Aber eigentlich sollte das eh klar sein. Oder?

Und statt mich höllisch wegen der bevorstehenden Hochzeit zu stressen, habe ich die Hosen Größe 36 in die Tonne gekloppt und mir 3 neue Jeans gegönnt. So!

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3 Comments
  1. Ein ganz toller Beitrag! Leider ist bei mir die 38 verschwunden . Bedingt durch meine chronische Erkrankung. Dieser Umstand fällt sofort auf. Das meine wesentliche körperlichen Funktionen Defizite aufweisen, fällt den meisten allerdings nicht auf. Ich habe aufgehört, mir deswegen selbst Stress zu machen. Hab genug mit meinen anderen Problemchen zu tun. Mehr wie motiviert trainieren und auf die Ernährung achten geht auch nicht..Ach und übrigens: tolles Outfit

  2. Du siehst klasse aus! Und ich denke wir sollten uns alle mal öfter umarmen. Ich weiß nicht wie of ich schon ein älteres Bild von mir gesehen habe und nur dachte: „Ich hatte ja so einen knall!“ Einfach weil ich mich noch ganz genau daran erinnern konnte, wie unwohl ich mich zu dem Zeitpunkt gefühlt hatte und das ohne richtigen Grund.

    Liebe Grüße,

    Franzi

  3. Was für ein schöner und mutiger Beitrag! Vor allem dass du dich nicht mit dem Hochzeits-Kilostress anstecken lässt, finde ich sehr sympathisch!
    Liebe Grüße, Mirja von schmittstyle.de

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