AUF MÄRKTEN RICHTIG FEILSCHEN & HANDELN

Hach, die hohe Kunst des Feilschens und des Handelns auf den Märkten in Asien oder dem Orient ist wirklich genau das: Eine Kunst! Eine Kunst, die es zu beherrschen gilt.

Während manche schwitzend, schimpfend über Abzocke und Menschenmassen und das permanente Anfassen schon nach 20 Minuten die Schnauze voll haben, blühen die anderen erst richtig auf. Auch ich! Stundenlang wusle ich dann durch die engsten Gassen und Gänge, entdecke und erkunde, winke ab, lache und mache das ein oder andere Schnäppchen. Aber nicht immer! Der Markt ist ein Spiel und manchmal gewinnt man und manchmal verliert man. Ja, Märkte sind nichts für Jedermann und wenn man nicht nach den Regel spielt, verliert man nicht nur Geld, sondern auch mal schnell auch noch die  Laune! Und um beides zu erhalten, gibt es einige Punkte zum merken:

1. Alle Märkte sind unterschiedlich

Laufe los und bekomme ein Gefühl für den Markt. Wie argumentieren die Verkäufer, wie ist die Stimmung, wird viel gelacht? Wollen dich die Händler mit einer Tasse Tee emotional binden, wie in der Türkei? Pochen sie auf die handwerkliche Qualität und Kunst, so wie in Marokko? Oder versuchen sie einfach ihre Ware loszuwerden, vor allem dort, so sich nicht viele Touristen hin verirren? Erst wenn man ein Gefühl für den Markt hat, kann man sich ihm wirklich hingeben und erst wenn man weiß wie die Händler ticken kann man auf Augenhöhe verhandeln.

„Please buy for good  luck“ (Standardsatz auf Bali) ist kein Verkaufsargument ;)

2. Behalte den Humor & werde niemals grob, beleidigend oder persönlich

Lachen verbindet und wer griesgrämig, hochnäsig und miesepetrig durch die Straßen läuft, trifft auch bei Verkäufern nicht auf Gegenliebe. Handeln und Feilschen sollen Spaß machen und zwar auf beiden Seiten. Wir wollen mit dem Gefühl gehen, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Sätze wie: „This price?! It makes me poor, look at my husband, he is soooo unhappy!“ oder einfach nur den selben Preis wiederholen und sagen: „Yes, good price – for 5 pieces!“ lockern die Stimmung schnell und brechen das Eis.

Wenn der Preis oder die Art des Verkäufers dir nicht zusagt, gehe einfach weiter. Du bist nicht verpflichtet etwas zu kaufen, nur weil du es schon in der Hand hältst oder mitten in der Verhandlung bist. Du hast jedes Recht, dich zuerst nach dem Preis zu erkundigen und das Produkt zu begutachten. Wird der Verkäufer unverschämt oder kommst du dir bedrängt vor, dann lass alles liegen und gehe weiter. Werde wegen eines schlechtes Preises nicht ausfallend oder beleidigend.

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(Bilder aus Marrakesch, Marokko)

3. Schlechtes Gewissen daheim lassen – aber nicht um 20 Cent handeln

Das, was einem beim Handeln oft im Weg steht, ist das vermeintlich schlechte Gewissen, dass man ja doch nicht umsonst der reiche Tourist ist und die arme Marktfrau nicht um noch mehr Geld bringen möchte. Wer sich einen Flug für 800€ leisten kann, kann sich auch das Produkt für 5€ leisten, oder? Das ist grundsätzlich auch absolut richtig! Spätestens wenn man den Preis bereits um die Hälfte oder mehr runtergebrochen hat, sollte man nicht noch um die letzten 30 Cent handeln, denn das sind Beträge, die uns wirklich egal sein können, dem Verkäufer aber ggf. eine Mahlzeit oder einen kleinen Gewinn einbringt. Versuche nicht, das letztmögliche abzuknöpfen. Bleibe einfach fair! Auch im Ausland kostet eine Holzlampe nicht 3€.

Nichtsdestotrotz geht es aber beim Handeln eben nicht um das Auswringen des letztmöglichen Cents. Sondern darum, dass man für eine Kissenhülle, die höchstwahrscheinlich in einem chinesischen Sweatshop hergestellt wird, keine 30€ zu zahlen, weil der Händler so überzeugend das Wort „regional“ und „fair trade“ wiederholt. Und egal, wie unglücklich die arme Marktfrau schaut, weil du partout nicht 5€ für die Haremshose zahlen möchtest – sie würde sie dir nicht für 2€ verkaufen, wenn es für sie ein schlechtes Geschäft wäre. Und genauso wenig der Teppichhändler oder Tuktuk-Fahrer!

Alle haben einen guten Deal gemacht, wenn man froh um den Kauf ist, trotzdem das Gefühl hat, immer noch zu viel zu zahlen und der Händler sich auch ein bisschen ärgert. (Matzes Reiseweisheit)

4. Die 40%-Regeln

Was ist denn jetzt eigentlich ein guter Marktpreis für eine Hose, Schuhe, Taschen oder „Kunst“ und Deko? Das lässt pauschal natürlich nicht beantworten. Auf Bali kostet eine Haremshose direkt am Strand oder in Kuta 4-6€ (verrückt), im Landesinneren wie z.B. Ubud nur 2,50€. Hier gilt gleich die erste Regel: Kenne den Markt. Denn das bedeutet auch: Kenne das Preisniveau! Außerdem gibt es sehr wohl Unterschiede in der Qualität der Artikel, denn man kann die in China produzierte Hose nur schwer mit einer geflochtenen Basttasche vergleichen.

Meine Taktik ist stets die 40%-Regel, mein erstes Gebot liegt immer unter der Hälfte des genannten Preises. Nach oben sind die Möglichkeiten ja bekanntlich immer offen… ;)

5. Gehe abseits, weiter oder später

Wie ich euch eben oben erzählt habe, kommt es stark darauf an wo ihr euch auf dem Markt befindet. Je tiefer ihr wuselt, desto weniger Touristen verirren sich meistens dorthin und desto besser sind eure Chancen einen guten Preis zu bekommen. Der Markt hat ein zweites Stockwerk? Perfekt! Und: Kurz vor Feierabend wollen viele Händler noch etwas loswerden, zieht also eher später als früher los.

Die besten Schnapper habe ich stets in einem zweiten Stockwerk, wirklich zentral in den Marktgassen und spät am Abend gemacht. Wenn ihr seht, wie immer weniger Ausländer um euch herum sind, dann wisst ihr, dass ihr richtig seid ;)

Auf Maerkten richtig handeln und feilschen 1

(Bilder aus Vietnam)

6. Habe Geld griffbereit

Wenn ich bereits weiß, was ich möchte und ungefähr weiß, was das Produkt kostet und was ich dafür zahlen will, habe ich das Geld stets abgezählt in meiner Hosentasche. Denn wenn man bereits das Geld in der Hand hat, haben die wenigsten Verkäufer noch Interesse daran weiter zu verhandeln. Meistens verhandle ich bis zu einem bestimmten Preis, greife dann in die Hosentasche, sage: „Ich habe aber nur 400.000, keine 500.000!“ – und noch nie wurde das Geld abgelehnt.

7. Guter Cop, Böser Cop

Funktioniert immer, wenn man mit einer zweiten Person reist. In unserem Fall läuft das Spiel nach dem Schema „Skeptische Ehefrau“ bzw. „Skeptischer Ehemann“ ;) Ich möchte eine Tunika (die sind übrigens oft unverschämt teuer!), ich handle – dann schaue ich ganz unterwürfig zu meinem Mann, der rigoros den Preis ablehnt. Ich zucke mit den Schultern und gebe traurig das Produkt zurück. Surprise! – Es geht doch noch ein bisschen was und die Kissenhülle in Marrakech wandert statt für 30€ für 2/3 des Preises in den Koffer.

8. Hab‘ ein Referenzprodukt!

Auf diese Taktik bin ich gestoßen, als ich auf Bali in einer wild gemusterten Haremshose über den Markt gelaufen bin. Diese Hosen werden dort zu Tausenden verkauft und so rief mir nahezu jede Verkäuferin hinterher, ich solle doch eine zweite kaufen – zum gleichen Preis! Oder sogar noch besser! Ja wirklich?!

Ich versuche oft auf Märkten Sachen anzuziehen, die von einem Markt stammen. Oder, wenn ich nach Souvenirs suche, ein Tuch oder eine kleine Figur dabei zu haben. Im Gespräch sage ich dann, dass ich den genannten Preis unmöglich zahlen kann – denn das, was ich habe, habe ich für so viel weniger gekauft (was ja nicht einmal gelogen ist)! Die meisten Verkäufer nennen daraufhin einen realistischeren Preis, auf dem man aufbauen kann.

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(Bilder aus Vietnam und Marrakesch, Marokko)

9. Geh‘ einfach

Dir sagt der Preis nicht zu, auch nach 10 Minuten kommt ihr auf keinen ansatzweise guten Nenner? Du findest, das Produkt ist es dir einfach nicht wert oder der Händler ist dir zu unverschämt? Du fühlst dich nicht wohl, willst gerade nichts kaufen und einfach weiterbummeln? Geh‘ einfach!

Es gibt keine Verpflichtung etwas zu kaufen. Verabschiede dich freundlich aber bestimmt. Wenn sie dir das Produkt nicht aus der Hand nehmen wollen, stell’s auf ein Regal oder den Boden und gehe. Vielleicht sind dann beide Seiten erleichtert, dass die zähen Verhandlungen ein Ende haben. Vielleicht wird dir ein besserer Preis hinterhergerufen.

Who know’s? It’s the market game!

 

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