DIE BESTEIGUNG DES GUNUNG BATUR

Als Gede, unser Bergsteigführer, uns durch lautes Klopfen an der Tür aufweckt, ist es 3.15Uhr und wir haben schlecht geschlafen, weil wir gefroren haben. Jawohl, ganz richtig. Gefroren!  Draußen ist es stockfinster, den mächtigen Vulkan kann ich in der Dunkelheit nur erahnen – er muss dort sein, wo die Milchstraße am Nachthimmel unterbrochen wird. Ich binde mir das Tuch, das mir am Strand als Rock dient, fester um den Hals und stampfe den zwei Männern durch den anfänglichen Dschungel hinterher. Um mich herum sind fremde Geräusche, Tierlaute, Schnattern, Knacken von Ästen, Rascheln im Bambus. Ich habe Angst mich umzudrehen. Auf dem Boden tanzt der kleine Schein der Taschenlampe. Vor mir liegt der Vulkan Gunung Batur.

Hier, am Fuße des Berges, sollte ich ein anderes Bali kennenlernen.

GUNUNG BATUR UND SEINE NACHBARSCHAFT

Es war Matzes Idee, einen Vulkan in Indonesien zu besteigen, denn wo sonst außer vielleicht noch auf Hawaii hat man diese Möglichkeit? Ich durfte mir dafür den Vulkan aussuchen und meine Wahl fiel auf den Gunung Batur. Mit 1.717m ist er wesentlich kleiner als sein großer Bruder, der Gunung Agung mit 3.142m, und somit auch besteigbarer. Außerdem liegt in einer alten Caldera, die ihn und den Batur-See einschließt und ein fast urzeitliches Bild abgibt. Mit 14kmx10km ist es auch die größte Caldera weltweit. Der Batur war nämlich früher wesentlich größer, bei einer gewaltigen Erruption wurden große Gesteinsmassen weggesprengt und an seiner Stelle bildeten sich Caldera und See. Wenn man heute vom Rand der Caldera in das Tal fährt sieht noch die Lavaströme der letzten Ausbrüche, die sich dunkel an die Landschaft schmiegen. Zum Beispiel 1921, 1963, 2000.

Die Region in und um die Caldera ist angenehm kühler als die heißen Temperaturen an den Stränden Balis und lebt von Landwirtschaft und dem Trekkingtourismus. Die Menschen wohnen in sehr einfachen Verhältnissen und bauen Chilli und Tomaten an, die in diesem Klima und im fruchtbaren Boden gut wachsen.

DER STARTPUNKT

Zahlreiche Anbieter machen die Touren von jedem Punkt der Insel aus, aber um mehr von Bali zu erfahren beschließen wir ganz in die Nähe des Vulkans zu gehen. Die meisten bleiben in Kintamani, wir aber wollen noch näher dran. Nicht wegen irgendeinem verrückten Adrenalin-Kick-Grund, sondern einfach, weil Kintamani auf Höhe mit dem Vulkan liegt und zwar eine phänomenale Aussicht hat, aber unpraktisch ist. Wir wollten direkt am Fuß des Berges starten und entscheiden uns für den Ort Toya Bungkha.

Unsere Erfahrungen in Toya Bungkah

Im Vorfeld hatten wir uns nicht besonders über die Lage der Hotels informiert, aber Toya Bungkah entpuppt sich als… seltsamste Region, die wir in Bali gesehen haben. Leider nicht auf eine positive Art! Unserer Fahrer bringt uns zu den Arlina Bungalows und ich glaube die Tripadvisor-Bewertungen sagen alles. Wir müssen noch über den Preis verhandeln, da der Fahrer uns einen anderen Preis genannt hatte. Für eine Nacht sind die Zimmer für uns ausreichend, aber wegen dem wirklich sehr grenzwertigen Badezimmer war ich auch froh, dass es keine Nacht länger war… und ich würde auch nie wieder hier bleiben. Im Hinterhof gibt es aber drei Pools, zwei davon werden mit heißem Quellenwasser gespeist. Bis spät in die Nacht liegen nur wir zwei im heißen Wasser und betrachten die Milchstraße, die man nur hier, in der dunklen Caldera, in ihrer vollen Pracht sehen kann. Internet? Haha. Zum Frühstück gibt es jeweils einen Pancake und Kaffee und Tee, die eher nach gefärbtem Wasser schmecken.

Für den rund 100m tiefen Batur-See finden gibt es eigentlich keine Schwimmzugänge, daher bieten die Homestays und Hotels in der Umgebung  ihre hauseigenen heißen Quellen an.

Da wir nicht in unserem tollen Guesthouse essen wollen, laufen wir durch Toya Bungkah, aber es gibt es hier tatsächlich nichts, wo man zu Abend essen könnte. Die Atmosphäre im Ort ist irgendwie düster und schon fast beängstigend. Penetranter als sonst wird man angesprochen, ob man übernachten will oder einen Fahrer braucht. Lehnt man ab, wird einem oft noch was auf balinesisch hinterher gerufen. Als wir die Straße entlanggehen, fahren oft Scooter unnötig nah an uns ran und hupen.

Am See findet sich noch ein vermeintliches Luxushotel, The Ayu. Auch hier verlinke ich euch lieber die Tripadvisor-Bewertungen, als die Hotel-Seite. Wir entscheiden uns hier für ein Abendessen. Auf den ersten Blick wirkt die Hotelanlage rießig und luxuriös, aber tatsächlich sind kaum Gäste hier, alles wirkt verfallen, Scheiben sind eingeschlagen, Tische verstaubt, Stromkabel und -kästen liegen offen, Betonplatten sind gerissen. Es wirkt wie ein Lost Place. Es gibt einen gigantischen heißen Quellenpool im Garten, in dem ein paar Touris planschen. Ansonsten: Gelangweilte Angestellte, in Plastikfolie eingepacktes, serviertes Essen.

Es ist beklemmend.

Als wir am nächsten Tag nach unserer Besteigung des Vulkans abreisen wollen, weigert sich der Besitzer, ein Taxi für uns zu rufen. Er könne uns fahren. Der Preis ist absurd und WiFi gibt es nicht. Als ich ins The Ayu gehe, wird uns auch dort kein Taxi gerufen und nur ein viel höherer Preis für den Transfer genannt. Zähneknirschend fahren wir mit dem Fahrer aus den Bungalows, auf den wir erst einmal 1,5h warten, weil er noch erst ein Auto „besorgen“ muss.

Daher ich kann leider nur empfehlen für eine Besteigung des Gunung Baturs in Ubud zu bleiben und sich einfach einen zuverlässigen Guide zu nehmen, der einen zum Sonnenaufgang pünktlich auf den Vulkan bringt. Von Ubud sind es ca. 30min Fahrt.

 

Gunung Batur Bali 1

Gunung Batur Bali Panorama
Gunung Batur Bali 2
Gunung Batur See

Arlina Bungalow Toya Bungkha
Arlina Bungalow Toya Bungkha

DER AUFSTIEG

Der Aufstieg ist auch für nicht besonders sportliche Menschen machbar. Ihr müsst euch immer denken: Wenn der fette Aussie oder der Wohlstands-Chinese es auf den Gipfel geschafft haben, dann kannst du es auch! Der Weg schlingelt sich zunächst durch einen Stück Wald, bevor er in eine karge Lava- und Gerölllandschaft übergeht und rutschig wird (daher wichtig: das feste Schuhwerk). Teilweise sind die Abschnitte sehr steil und ich komme nur mit Händen und Füßen voran. Weit vor mir tanzen die Lichter anderer Taschenlampen.

Slow but steady, like a machine, lacht Gede

Aufgeben, Stehenbleiben – das kommt nicht in Frage! Also mühe ich mich den Vulkan hoch, ich friere und ich schwitze. Irgendwann kommen wir in den Wolken an und meine Kleidung wird klamm und feucht. Dort, wo ich noch den Batur-See sehen konnte, leuchtet meine Taschenlampe keine 2m weit mehr. Ich bin umgeben von Farnen und Wolken in der Dunkelheit. Und dann ist da das Heulen.

Zunächst höre ich es nur ganz leise, aber je höher wir kommen, desto lauter wird es. Es ist der Wind, der über den Vulkankamm pfeifft. Das Geräusch dringt durch Mark und Bein. Irgendwann merke ich, dass ich nicht mehr aufwärts gehe, sondern auf einem schmalen Pfad geradeaus. Und die Wolken sind keine Wolken, sondern Dunstschwaden, die nach Schwefel riechen. Dann bin ich oben.

Laut Gede sollte der Aufstieg knapp 1h45min dauern und tatsächlich kommen wir unter 2h schweißgebadet auf dem Gipfel an (daher auch wichtig: das Ersatz-Tshirt!). Wir frieren trotz unserer Hoodies erbärmlich. Besonders leid tun mir einige Teens, die nur mit TShirt und Hotpants auf den Berg sind. Einige der Guides bieten ihnen Jacken an. Dankbar schlürfen wir unseren warmen Tee. Die Kälte und der scharfe Wind zerren an der nassen Kleidung. Aber wir sind oben. Zu meiner Überraschung sind oben nicht so viele, wie wir dachten. Erst nachdem die Sonne aufgegangen ist, tauchen immer mehr und mehr Menschen auf. Die schönsten Momente haben wir nur mit ein paar anderen erlebt.

Gunung Batur Sunrise 1

Gunung Batur Sunrise 4

Gunung Batur Sunrise 3
Gunung Batur Sunrise 5

AUF DEM VULKAN

Während wir auf den Sonnenaufgang warten, bereiten die Guides Tee und Frühstück zu. Die Eier kochen sie in den heißen Höhlen und im Gestein. Sowas hab‘ ich noch nie erlebt. Ein warme Stein, eine warme Wand. Erst, wenn man den warmen Boden berührt wird einem deutlich, wo man sich eigentlich befindet!

Nehmt euch die Zeit und macht noch eine kleine Wanderung in die Caldera und zur großen Höhle. Überall zischt und dampft es. Aber Achtung: Zu Opferzwecken werden immer wieder Hühner, Hunde und Affen in die Caldera geworden. Die, die diese Prozedur überleben, leben fortan auf dem Vulkan. Schnallt eure Wertsachen fest, sag‘ ich nur! Hier wurde ich zum ersten Mal von einem Affen bestohlen: Er schnappte sich meine Schokolade.

Nach dem Abstieg suhlen wir unsere geschundenen Muskeln wieder in den heißen Quellen und versuchen zurück nach Ubud zu kommen.

Gunung Batur Sunrise 5
Gunung Batur Sunrise 7
Gunung Batur Sunrise 8
Gunung Batur Krater

Was benötigt man für den Aufstieg?

  • Festes Schuhwerk: Keine FlipFlops oder Ballerinas. Ich hatte alte Laufschuhe dabei, die mich am Knöchel stabilisiert haben und außerdem Profil hatten. Das hat sehr gut ausgereicht, Wanderschuhe sind kaum nötig.
  • Fleecejacke oder Trainingsjacke, die man dann bei Bedarf auch gut verstauen kann
  • Sonnenschutz (Creme oder Cap für den Abstieg), Sonnenbrille. Der Abstieg ist meist am glühend heißen Vormittag, ohne Schutz ist Sonnenbrand vorprogrammiert!
  • Wasser
  • Ersatz-Tshirt (!!!!)

Eine Taschenlampe für jeden sowie ein kleines Frühstück ist bei den Touren meistens mit dabei.

1 Comment
  1. Liebe Julia,
    das klingt unglaublich toll! Wir sind diesen Sommer auf Bali und da wollen wir auch auf den Gunung Batur – nach deiner Beschreibung freu ich mich noch mehr!
    Alles Liebe,
    Laura

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