BALIS TIERSCHÜTZER

Dieser Artikel ist nichts für schwache Herzen und handelt ausnahmsweise nicht von tollen Villen, dem Meer oder einem tollen Abendessen. Tierschutz auf Bali ist leider (noch) kein großes Thema, sollte es aber sein: Unglaublich viele Haus- und Nutztiere leiden unter schrecklichen Lebensbedingungen, Krankheiten, Verletzungen, Grausamkeiten und Vertreibungen. Dank einiger liebevoller Hände verbessert sich aber ihre Situation zunehmend, einen kleinen Pfotenschritt nach dem anderen!

Kurz bevor wir auf Bali ankamen, erschütterte eine Geschichte die Internationale Presse: Die Bali Animal Welfare Association veröffentlichte einen Bericht, nachdem auf Bali jährlich ca. 60.000 Hunde für Fleischkonsum getötet werden. Das prekäre: Hundefleisch wird auf Bali nicht traditionell gegessen und fand erst in den letzten Jahren vermehrt Zulauf. Zwar gilt das Fleisch unter den Einheimischen als mager, kostet aber deutlich mehr als z.B. Rind oder sogar Hühnchen. Das führt wiederum dazu, dass es vor allem herren- und heimatlose und vor allem kranke Straßenhunde sind, die für Fleisch geschlachtet werden. Und zahlreiche Touristen essen das Fleisch ohne ihr Wissen und gefährden damit ihre eigene Gesundheit.

Balinesische Verkäufer waren bereits dazu angehalten, Hundefleisch kenntlich zu machen. Das geschieht oft nur unzureichend mit dem Kürzel „RW“ für Rinteek Wuuk – Das bedeutet sanftes Fell bzw. Hund. Oder es wird gar nicht gekennzeichnet. Nach dem Bericht von BAWA soll der Handel mit Hundefleisch auf Bali zwar strenger kontrolliert, aber leider immer noch nicht verboten werden.

An der Stelle möchte ich übrigens betonen, dass ich moralisch keinen Unterschied machen möchte zwischen Tausenden grausam gehaltenen und getöteten Hunden, Rindern oder Hühnern.

UNSERE PERSÖNLICHE GESCHICHTE

Obwohl wir bereits vor über zwei Jahren auf Bali waren und uns die Situation nicht neu war, so fielen uns dieses Mal die zahlreichen kranken und verwahrlosten Tiere besonders auf. Letzten Endes bin ich über Instagram auf B.A.R.C. gestoßen, aber dazu gleich mehr. Einmal hingesehen, konnte ich nicht mehr wegsehen. Wer mir auf Instagram folgt weiß, wie sehr mich die Situation mitgenommen hat. Und jede Geschichte, jedes verletzte Tier brach mir das Herz. Tagelang war ich aufgelöst und ging weinend ins Bett, wütend, da man so machtlos ist gegen die schiere Menge an Tierleid, das einem hier tagtäglich begegnete.

Da wir schon länger mit dem Gedanken gespielt haben uns einen Hund zuzulegen, fiel hier die Entscheidung: Wir wollten zumindest einem kleinen Wauz ein neues Zuhause schenken! Dafür würden wir unsere Reise abbrechen, Vietnam und Thailand saußen lassen und zu Dritt nach Hause zurückkehren. Wir wussten, wir würden unserem Herzen folgen und das Richtige tun. Denn wir hätten einem anderen Lebewesen das Leben gerettet und es würde eine Bereicherung für alle sein. Wir wussten, dass wir genau das schon lange wollten und auf einmal tat sich diese Tür im richtigen Moment auf. Es war ein Tag nach meinem Geburtstag.

Leider stellte sich das als ein Ding der Unmöglichkeit heraus. Zum einen sind die Einfuhrbestimmungen für Tiere aus dem EU-Ausland in die EU extrem streng. Hier muss nicht nur ein Impfpass, sondern auch ein Antikörpertest vorgelegt werden. Dieses Prozedere kann bis zu 6 Monaten dauern, ist aber nicht die größte Herausforderung gewesen. Das größte Problem ist das balinesische Gesetz:

ES IST VERBOTEN, HUNDE AUS BALI ZU EXPORTIEREN.

Somit werden die Tiere lieber in Gruben verscharrt und getötet, statt sie in wohlwollende Hände von Ausländern zu geben. Hintergrund ist eine schlimme Tollwut-Epidemie vor einigen Jahren, während der Hunderttausende Tiere getötet wurden. Leider gab es zeitgleich kaum Aufklärung der Bevölkerung und sogar gesunde Haustiere wurden durch den Ausbruch stigmatisiert. Um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, wurde das Verbot verhängt, das bis heute gilt. Und es nahezu unmöglich macht, Tiere auf Bali zu adoptieren und sie mit nach Hause zu nehmen.

Obwohl wir letzten Endes keine Chance hatten einen Hund aus Bali mitzunehmen, so konnten wir auch nicht einfach wegsehen und beschlossen von unserem Flitterwochenbudget eine Summe zu spenden, mit der das Tierheim B.A.R.C. zumindest einige Tiere impfen und ihre schlimmen Hautkrankheiten behandeln konnte!

B.A.R.C.

Hierhin ging nicht nur unsere Spende, sondern hier statteten wir den Fellknäulen und ihren menschlichen Besitzern einen Besuch ab. B.A.R.C. ist dabei mehr als nur ein Tierheim. Es steht für Bali Dog Adoption and Rehabilitation Center und hilft nicht nur Hunden, sondern auch Katzen, Pferden, Schweinen und sogar verwahrlosten Affenfamilien!

Die Gründerin Linda hat wirklich Großes bewirkt, denn die Non-Profit Organisation wächst dank zahlreicher Unterstützer stetig. Sie behandeln kranke, verwahrloste, Gewalt ausgesetzt gewesene Tiere, impfen und sterilisieren sie, veranstalten Adoption Days, verkaufen Merchandise und versuchen vor allem in der balinesischen Gesellschaft wieder Funken von Liebe für die Tiere und Verständnis für Umwelt wieder zu wecken. Außerdem gibt es noch das große SANCTUARY, 40 Minuten außerhalb von Ubud, wo die meisten der Tiere in einer natürlichen, großen, freien Umgebung untergebracht sind.

Noch einen Tag davor war ich mir nicht sicher, ob ich den Besuch aushalten könnte. Ob ich all das Leid der Tiere aufnehmen und verarbeiten könnte. Ob ich stark genug war. Ganz ehrlich: Ich hatte einfach Schiss vor der harten Wahrheit und ich hatte Schiss vor all dem Leid.

Letzten Endes hätte ich nicht mehr in den Spiegel sehen können, wenn ich es nicht getan und mich mit dem Thema nicht so aktiv auseinander gesetzt hätte. Das B,A.R.C. Good Karma Rehabilitation Center in Ubud ist eine Pflegestation für kranke und verletzte Tiere und der Ursprung der Organisation.

Besucher sind herzlich willkommen! Denn die Tiere sehnen sich nach etwas Abwechslung, jemand der mit ihnen spielt und streichelt und ihnen somit auch bei der Resozialisierung mit Menschen hilft.

Als wir die Treppen zum Center hochsteigen, sehe ich schon draußen im Schatten einen kleinen Laufstall. Darin: Ein süßer, brauner Welpe. Er ist winzig. Auch wir hatten mal daheim 5 Welpen. Tiere seines Alters sind noch viel zu klein, um alleine ohne Mutter zu sein.

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Trotzdem schnuppert er neugierig an unseren Händen und lässt sich streicheln. Er scheint krank zu sein, denn er ist dünn und erbricht sich einmal. Fürsorglich putzen die Mitarbeiter den Boden, tauschen die Decke und stellen etwas Brei mit Medikamenten hinein. Ob er es schafft, ist unklar. Daneben sind kleine Kätzchen. Auch sie: Viel zu jung zum alleine sein.

Als wir dann aber einige Minuten im Raum sind, entfaltet sich die volle Lebensfreude und Liebe der Tiere. Sie beschnuppern uns neugierig, zerren an unseren FlipFlops und Tshirts, drücken ihre Nasen an uns. Berührungsängste habe ich keine – auch wenn es ungewohnt ist, Hunde mit sehr wenig Fell und rauer Haut zu berühren. Eine Hündin tappst etwas hilflos auf uns zu und eine Mitarbeiterin erklärt uns, dass sie blind ist. Aber dass das Rudel sie führt. Es gibt größere und kleinere Hunde, mit einem verbundenem Bein oder ohne Ohr. Aber sie freuen sich auf die Abwechslung und wir geben ihnen all die Liebe, die wir im Gepäck haben. Wir herzeln und streicheln über eine Stunde, wir lachen und am Ende weine ich auch ein bisschen, denn ich fühle mich seltsam schwer und zeitgleich doch leicht. Weil die Tiere trotz des entsetzlichen Leides hier eine neue Chance, ein neues Leben haben. Gerade die, die fast nichts haben, haben hier das größte Herz von allen.

Wenn ihr in Ubud seid, dann seid euch nicht zu schade 2 Stunden eures Urlaubs hier zu verbringen und etwas zu geben. Und noch viel viel mehr zurück zu bekommen.

VILLA KITTY FOUNDATION BALI

Die Villa Kitty Foundation verdankt ihr Entstehen dem persönlichem Einsatz, Engagement, Liebe, Hingabe und der Großzügigkeit mancher Menschen, die sich dazu entschlossen haben, ihren Wohlstand zu nutzen, um gemeinnützige Projekte voranzutreiben.

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Inzwischen ist das Team auf 24 Helfer angewachsen und mehrmals umgezogen, um immer mehr Tieren helfen zu können. Zur Villa Kitty gehören Pfleger, Pflegefamilien, Freiwillige, administrative Helfer und auch Tierärzte.

Zu oft – viel zu oft – finden sich Kisten und Säcke mit kleinen Katzen vor den Pforten der Aufnahmestation. Daher gehört es zunächst zur Hauptaufgabe von Villa Kitty Erwachsene und Junge Tiere gleichermaßen zu sterilisieren. Diesen Service bieten sie Einheimischen Katzenbesitzern kostenlos an. Leider kommen die meisten erst, wenn es zu spät ist. Und leider überleben viele Neugeborenen Katzen das nicht – denn sie werden in Plastiksäcke geschnürt, zu Tode geprügelt oder ganz einfach in den Fluss geworfen.

Einmal, erzählt Elizabeth Granz Henzel, die Gründerin der Organisation, auf Instagram, habe ihr Team eine Katze von der Straße aufgelesen, deren Augen mit Kleber verklebt waren. Die Menschliche Grausamkeit kennt keine Grenzen.

Die Villa Kitty versucht dabei nicht nur medizinische Versorgung und die Aufnahme ausgesetzter und verwahrloster Tiere in den Vordergrund zu rücken, sondern auch die Aufklärungsarbeit mit kleinen Kindern und Schülern, um schon bei den jüngsten Balibewohnern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie kostbar so ein kleines, flauschiges Leben ist.

Und es sind vor allem die Kleinen, die Wehr- und Hilflosen Katzen und Hunde, die ohne Mutter, Milch, Pflege und Zuwendung keine Überlebenschance auf Bali haben.

Das Team von Villa Kitty ist immer auf der Suche nach Unterstützern, Pflegefamilien und Freiwilligen für die Katzen und auch Hunde. Denn zu oft kommt Erziehung, Zärtlichkeiten und Liebe zu Kurz. Besucher sind in der Villa Kitty jederzeit willkommen – und wer sich im Beach Club einen Drink genehmigen kann, kann auch hier etwas spenden. Denn es kommt manchmal auf den letzten Euro an.

Folgt Villa Kitty auf Instagram.

BAWA

Die Bali Animal Welfare Association kümmert sich um die Belange verschiedener Tiere und setzt sich für Schutz, Gesundheit und auch Rechte der Tiere auf Bali ein. Sie versuchen mit ihren Programmen nicht nur ebenfalls ein Bewusstsein in der balinesischen Gesellschaft zu schaffen, sondern die Themen auch beim Gesetzgeber zu platzieren.

Und somit auch systematischen Grausamkeiten, der übertrieben harschen Vorgehensweise aus Angst vor Tollwut und dem Ausfuhrverbot ein Ende zu bereiten.

BALIS HUNDE – AUCH EIN KULTURERBE

Wusstet ihr, dass Balis Hunde eigentlich eine sehr alte Hunderasse ist und zu den ältesten Rassen der Welt gehört? Sie wird bis auf das 15. Jahrhundert datiert und die Hunde werden oft „Kintamani-Hunde“ genannt, zurückzuführen auf die Region Kintamani am Kraterand des Gunung Batur.

Sie gelten als außerordentlich schlau, lernen schnell, gehorchen gut und gelten als ausgesprochen loyal. Eigentlich sind es echte Familienhunde, die Haus, Hof und Kind bewachen können.

Die Hunde gehörten lange Zeit sehr fest zum Bestandteil eines Banjars, also einer balinesischen Dorf- und Familiengemeinschaft. Ihre Aufgaben bestanden aus der Bewachung des Banjars, aber auch im Jagen von kleineren Schadtieren wie Ratten oder Schlangen. Banjars, die sich in den vergangenen Jahren gegen Hunde in ihrer Mitte entschieden haben, haben nicht selten mit Ernteausfällen, Ratteplagen und einem höheren Anteil an Verletzungen durch Schlangenbisse zu kämpfen.

Balis Hunde sind also nicht nur ein Teil der balinesischen Gesellschaft – sondern auch ein Teil eines Ökosystems. Und müssen wieder in der Mitte der balinesischen Familien- und Stadtkultur akzeptiert, geschätzt und aufgenommen werden. Sie haben es verdient!

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Wir wusste am Anfang nicht, wo wir anfangen und wie viel wir spenden sollten. Was war genug? Konnten wir überhaupt etwas ausrichten, überhaupt auch nur ansatzweise Leid lindern? Was konnten wir überhaupt beitragen, bewirken, verändern? Und da war dann immer diese hemmende Stimme im Kopf: Wenn du nicht genug tun kannst, dann brauchst du gar nicht erst anfangen. Aber das ist falsch.

Wir können manchmal nur einen Kieselstein bewegen. Aber Stück für Stück können wir so einen Berg abtragen. Lieber wenig, als nichts. Denkt nicht, es ist nicht genug. Es ist nämlich nie genug. Aber irgendwo muss man anfangen.

Habt keine Angst vor Mitleid. Habt keine Angst vor Gefühlen. Habt keine Angst zu helfen.

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