Eat, Drink and Be Cozy!

Draußen ist es zapfig geworden, wie man hier in Bayern sagt. Mein Fahrrad ist längst verstaut, der Roller wird am Wochenende ersteinmal zugedeckt, die Sommerschuhe in den Kisten unter dem Bett verstaut. Und das ist kein Scherz, wenn ich sage, dass in meiner Straße schon in einem Fenster Weihnachtsdekoration hängt. Und was macht man am Besten an so einem Wochenende? Ja, gut, seien wir ehrlich: Eigentlich sich in die Decke einwickeln und das ganze Wochenende lang Burrito spielen. Oder: Reisetasche packen und quer über die Landstraße zu einer Freundin die Schwäbische Alb fahren!

Wir kennen uns schon seit Studienzeiten, hatten Höhen und Tiefen, kennen unsere Guten und auch unsere Schlechten Seiten. Wir sehen Dinge vollkommen unterschiedlich und leben schon fast auf unterschiedlichen Planeten. Aber unsere Funkverbindung hält, auch über die Distanz. Spontan shoppen gehen können wir nicht mehr. Aber die Zeiten, in denen wir uns locker auf einen Kaffee Vormittags der Stadt treffen konnten, sind schon eh längst vorbei. Die Jobs und die Pflichten und die Hobbys und die Beziehungen sind in unsere Leben gezogen, es hat sich im Lauf der Zeit verändert. Eine Freundschaft muss mitwachsen, das habe ich in den letzten Jahren gelernt, als viele anderen auseinandergebröselt sind, als einen keine Partys und WGs mehr zusammengehalten haben. 250km Fahrt liegt jetzt zwischen uns beiden. Als ich Abends total durch den Wind durch ihre Haustür strahle, dann weiß ich, dass sich bis auf die 250km nichts verändert hat.

Ich schmeiße mich in meine Jogginghose, ihr Freund (der zufällig Koch ist….) brät mir „noch ganz schnell“ einen perfekten Burger, wir trinken Wein, draußen wird’s neblig und als ich ins Bett falle, fühle ich mich so schwer und so leicht zugleich, dass ich nicht weiß, ob ich in den Schlaf falle oder schwebe.

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Am nächsten Tag laufen wir durch Hechingen und zur Burg Hohenzollern. Eigentlich bietet sich bereits vom Tal aus ein wunderschönen Anblick auf die Burg, aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung – obwohl es nicht regnet, zieht dichter Nebel auf. Mir war’s egal, denn Herbst + Alte Burg + Nebel…? Kann es noch stimmungsvoller sein? Ich könnte euch jetzt etwas über Hechingen, Albstadt, die Burg und das Geschlecht der Hohenzollern erzählen. Ich könnte euch erzählen, dass die Region wunderschön ist, dass man viel unternehmen kann und das jeder Spaziergang mit dem raschelnden Laub ein wahrer Genuss ist. Dass an jeder Ecke ein Haus steht, in das ich am liebsten JETZT SOFORT einziehen möchte. Ich könnte euch erzählen, dass es dort im Dezember einen Königlichen Schloss-Weihnachtsmarkt gibt und einen Streichzoo mit Alpacas. Aber eigentlich will ich euch nur erzählen, wie gut ich dort gegessen habe!

Ich ärgere mich bis heute, dass ich nur mein Handy, aber keine Kamera dabei hatte.

Denn schon auf der Burg ging es mit einem kleinen Markt los und noch dazu ist Most-Saison. Neben den Kronen, Rüstungen und Zimmern des Schlosses gab es für mich auch noch leckeren Herbstpunsch und Quittenlikör der Obstmanufaktur Wetzel, eine sogenannte „Dinete“ (was eine Art Flammkuchen mit herzhaftem Bergkäse ist) und für daheim selbstgemachtes Kürbis-Ananas-Chutney.

Eat Drink And Be Cozy 7Daheim wurde ich mit frischem Burger, selbstgemachten (!!!!) schwäbischen Maultaschen und einem saftigen Zupfkuchen verwöhnt (Habe ich schon erwähnt, dass ihr Freund Koch ist….?)

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Den kulinarischen Höhepunkt gab es denn Samstag Abend im der Traufganghütte Brunnental. Das Gasthaus im schönsten Hüttnfeeling ist unglaublich liebevoll eingerichtet und überzeugt durch regionale, frische Zutaten. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass genau diese Frische, diese Regionalität, mir in vielen Restaurants fehlt.

Eat Drink And Be Cozy 8Als Vorspeise gibt es gebeizten Lachs auf Kartoffelpuffern mit Senfsauce und Creme Fraiche mit Lauch. Außerdem eine Kartoffelcreme-Trüffelsuppe mit Croutons. Und eine Kürbis-Ingwer-Cremesuppe. Dazu panierte Blutwurst auf Linsen, dazu süßliches Apfelchutney. Und meine Geschmacksknospen so: YAY!

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Als Hauptspeise bestellen wir Spätzle, Wildgulasch und Zwiebelrostbraten – davon bleibt (dem Himmel sei Dank) sogar noch etwas für den nächsten Tag. Aber das Dessert geht ja bekanntlich in einen anderen Magen.

Als ich am Sonntag Nachmittag mit Megatron, unserem Bus, durch die herbstliche Alb düse, dann weiß ich, dass Freundschaft keinen festen gemeinsamen Ort braucht. Aber irgendwie wusste ich das schon immer.

 

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