Gute Reiselektüre, Part II

Nach meinem letzten Beitrag zur guten Reiselektüre und meinen persönlichen Buchempfehlungen für den Urlaub lässt der nächste Trip nicht mehr lange auf sich warten. Bei euch auch? Dann habe ich für euch wieder ein paar Lese-Favoriten zum Reisen eingepackt!

Robyn Davidson – Spuren (eng.: Tracks)

Robyn Davidson Mia Wasikowska Tracks Spuren

Das Buch ist eigensinnig schön und berührend simpel gehalten – so ganz, wie ich mir auch die Autorin vorstelle. Ihr Traum ist es, Australiens Wüste mit Kamelen zu durchwandern. Ein Australien der 70er Jahre, voll von Aborigine-Hass und Frauenfeindlichkeit, ganz zu Schweigen von der scheinbar menschenfeindlichen Umgebung. Sie hat keine Ahnung von Kamelen, lernt ihre Zucht und Pflege, wie man Sattel fertigt und tiefe Wunden säubert, gibt ihr ganzes Geld für sie aus und ackert bis sie umfällt. Sie erzählt vom Tod, vom Durst, von Insektenschwärmen, von Kindern alkoholkranker Aborigines, von ihrer bis aufs Fleisch von der Sonne verbrannten Haut, von Vergewaltigungen, von Verrückten, von Abzocke und wie es ist, wenn man mitten in der Wüste seine Tage bekommt. Sie erzählt von ihren Versuchen loszulegen, von den menschlichen Eigenschaften der Kamele, von ihrer Wut und ihrer Freude, von der endlosen Weite der Wüste, ihren Träumen und ihren Zielen.

Das tolle an diesem Buch – das, was es so einzigartig innerhalb der vielen Reiseromane und Selbstfindungsnotizen macht – ist dass Robyn Davidson auf mystische Romantik absolut verzichtet. Sie beschreibt nicht trocken, aber sachlich. Was sie erlebt, gehört zu ihrem Alltag. Es ist eine andere Welt. Umso mehr staunt man darüber, wie tough diese Frau ist. Und wie schön und fragil.

PS: Der Film wurde mit Mia Wasikowska verfilmt (Trailer).

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Charyl Strayed – Der große Trip

Charyl Strayed Der große Trip

Bevor Cheryl Strayed auf dem Pacific Crest Trail wandert, einem über 4.000km langen Wildwanderweg an der amerikanischen Westküste, hat sie ihr Leben so ziemlich nicht im Griff. Klingt nach einer abgedroschenen Teenager-Coming-Of-Age-Story, handelt aber von einer Frau Mitte Zwanzig. Es ist eine traurige Geschichte von einem Verlust, den sie niemals verkraftet hat und der sie über kurz oder lang in den Sumpf des Lebens stürzen lässt, Drogenabhängigkeit inklusive. Sie wandert also über diesen Pfad, mit einem überdimensionierten Rucksack, den sie „Monster“ nennt und verliert in ihren Stiefeln den ein oder anderen Zehennagel. Eindrucksvoll beschreibt sie die Schönheit und Vielfalt der Natur, die sie umgibt – von schwül-heißen Sommertagen, bis zu Schnee und Dauerregen. Während sie sich den Wanderweg entlangplagt und sich selbst für ein einziges Stückchen Elend hält, wird sie von anderen Wanderern längst als die „Königin des Trails“ bezeichnet.

Obwohl ich das Buch und all ihre Etappen genossen habe – richtig warm werde ich mit der Wanderin nicht. Vielleicht, weil es an mir nagt, wie sie durch ihre Selbstzerstörung alles um sie herum miteinreist. Dabei kann sie nicht anders. Oder vielleicht doch, denke ich mir wütend. Wut empfinde ich oft wenn ich sehe wie Menschen ihr Leben wertlos wegschmeißen, vor allem für Drogen und Alkohol. Wie sie sich selbst bemitleiden, sich selbst kategorisch heruntermachen und nach und nach komplett zerstören. Mich machte es wütend, dass Cheryl noch vom Trail einen Brief an ihren Junkie-Ex schrieb, in der irrigen Annahme, sie würde ihn lieben. Ihre Willensschwäche und Blindheit macht mich so wütend, als ich die Seiten umblätterte.

Aber wir haben uns zum Ende des Buches ausgesöhnt. Diese Story ist mehr als nur ein Selbstfindungs-Trip. Es ist ein Buch über jemanden, der sich wirklich aus dem letzten Loch selbst herausgezogen hat. Und das ist allemal eine Empfehlung wert!

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