Home Sweet Home I – Wohnen wie im Katalog?

Habt ihr euch auch schon gefragt, warum manche Wohnungen so perfekt durchdacht aussehen? Warum dort das Farbkonzept funktioniert und alles perfekt miteinander harmoniert und bei euch vielleicht nicht? Ich kämpfe gerade mit diesem Problem. Meine Traumvorstellung von einem perfekt eingerichteten 1-Zimmer-Appartement weicht von der Realität ab. Obwohl ich selbst es in der Hand zu haben scheine. Bin ich Opfer geworden perfekt inszenierter Pinterest- und Instagrambilder? So wie man tatsächlich versucht ist zu glauben, dass die Models der Glamour tatsächlich makellose Haut und endlos lange Beine haben?

Oh, wie sehr ich manche Einrichtungsideen liebe. Schwedisch mit Holz und Naturtönen. Oder Dänisch-modern mit Farbelementen wie einem gelben Stuhl. Oder ganz im Weiß. Oder Shabby Chic. Oder ganz Dunkel. Oder. Oder. Oder.

Mein Problem ist, dass ich mich schon morgens vor dem Spiegel nicht entscheiden kann was ich anziehe oder abends im Supermarkt was ich esse. Eine Entscheidung zu treffen in Bezug auf etwas mit dem ich jeden Tag leben muss fällt mir entsprechend schwer.

Wie ich in meinem #13 Weekly Notes Post erwähnt habe, bin ich Ende März in mein eigenes kleines Appartement gezogen und richte es jetzt nach und nach ein. Es macht wahnsinnig viel Spaß, ist aber auch anstrengend und nicht immer schön, wenn man wieder an einer umgedrehten Umzugskiste zu Abend isst. Ich lass mich überall inspirieren, in Katalogen und Onlineshops, beim Ikea, Kare, Pinterest, bei Freunden, von Fotos aus dem Urlaub.

Ich weiß doch, was ich will! Aber die eigene Wohnung katalogreif und ganz nach eigenem Geschmack einzurichten ist schwerer als gedacht. Warum nur?

Pax Wohnen wie im Katalog

Erst heute Abend ist mir wohl der offensichtliche Groschen gefallen: Ein Konzept ist nur dann ein Konzept, wenn es von vorne bis hinten passt. Jedes Detail. Ansonsten ist es kein Konzept. Was bedeutet das im Konkreten?

GESCHMACK ÄNDERT SICH – GENAU WIE DU

Im Laufe unseres Lebens sammeln wir Dinge an – Mitbringsel, Möbelstücke, Dekoration, Nutzgegenstände. Jedes Mal denken wir, das ist das, was uns gefällt und manchmal sogar das, was uns ausmacht. Aber im Laufe der Zeit verändern wir uns auch, werden erwachsen, sehen Dinge mit anderen Augen, entdecken Neues, vergessen Altes und nach und nach wandelt sich auch unser Blick auf Ästhetik, Nützlichkeit und Schönheit. Das gilt für Kleidung, für Musik, für die Einrichtung. Nur im Gegensatz zur Musik, die man einfach umschalten kann, oder Kleidung, die nach einiger Zeit ohnehin abgetragen ist, behält man manche Einrichtungsgegenstände Jahre lang. Denn warum sollte man auch das Regal wegschmeißen, das gut funktioniert, oder die Teller, die noch komplett in Ordnung sind? Und so sammeln sich allerlei Gegenstände an, die nicht zur gleichen Zeit, aus dem gleichen Stilgefühl heraus angeschafft worden waren. Und spiegeln somit perfekt das Leben in den eigenen vier Wänden wieder – nämlich als Prozess, als Entwicklung, als Lebensweg. Und nicht einen Status Quo.

BÜCHER

Hier hat mich die Erleuchtung ereilt. Schaut man sich all die Wohnkonzepte an, so sehe ich selten Bücher. Ich meine – ECHTE – Bücher. Nicht irgendwelche einfarbigen Pappschachteln. Natürlich kann mein Wandregal aufeinander abgestimmt sein, wenn alle Buchrücken die gleiche Farbe haben. Haben sie aber nicht. Jeder, der Harry Potter oder die SZ-Bibliothek bei sich im Regal stehen hat, der weiß was ich meine. Allein meine Reiseführer schillern in allen Regenbogenfarben. Schaut euch das nächste Mal im Ikea um, ob ihr bunte Bücher in den Regalen entdeckt. Ich gehöre leider nicht zu den Leuten, die Bücher lesen und sie weggeben, deshalb stapeln sie sich weiter in meinem Expeditregal. Bunt, vielseitig, wie ihr Inhalt.

BETTWÄSCHE/VORHÄNGE/TEPPICHE

Wenn ihr wie ich das Bett offen in eurer 1-Zimmer-Wohnung stehen habt, dann kann Bettwäsche ein entscheidender Faktor für euer Wohlfühlen sein. Alle großflächigen Textilien, die im Raum die Blicke auf sich ziehen, sollten mit Bedacht und Geduld ausgewählt werden. Hier Geld zu investieren und sich zwei Sets passender Bettwäsche zu kaufen kann sich also richtig lohnen. So liegt bei mir seit dem Umzug meine schwarz-weiß-geblümelte Bettwäsche auf dem Bett – und sie schreit eher „Jugendzimmer“, als „Unabhängige Großstadtfrau“ ;) Weg damit. Für Gäste.

FOTOS

Nachdem ich eine Wand wie schon lange gewünscht in einem dunkelgrauen Ton gestrichen habe, ist der nächste Schritt das Aufhängen größerer und kleinerer weißer und goldener Bilderrahmen. Aber auch meine Lieblingsbilder von Freunden und Familie sind bunt, digital und in Farbe. Und was hilft aufeinander abgestimmte Wand und Rahmen, wenn die Bilder wieder wie kleine Farbklekse herausstechen? Mein Trick ist: Alle Bilder schwarz-weiß (oder entsprechend euren Wohnfarben) entwickeln lassen! So habt ihr eure schönsten Erinnerungen immer noch an der Wand verewigt, ohne zu unpersönlichen Hip-Postern aus dem Internet greifen zu müssen.

GELD

Wer neue Möbel kauft – und nicht nur bei Ikea danach sucht – weiß, dass Möbel teuer sein kann. Richtig teuer. Deshalb plant euch euer Budget gut ein und kalkuliert, was für euch besonders wichtig ist. Eine Wohnung ist selten von heute auf morgen fertig eingerichtet. Eine Freundin von mir hat 2 Monate auf ihre Küche gewartet. Wenn ihr also nicht gerade die Fuffies durch den Club schmeißt, so überlegt ganz genau, was ein absoluter Wohlfühlfaktor für euch ist. So war mir zum Beispiel irgendwann klar, dass ich keine neue Regal-Kommoden-Kombination in Weis brauche, sehr wohl aber einen neuen Kleiderschrank und einen großen Tisch aus Echtholz. Lasst euch selbst die Zeit, genießt es, eure Kreativität ausleben zu können und übernehmt euch nicht.

Fazit

Natürlich hat man vielleicht das Glück, das man schon immer auf ein und denselben Stil stand oder keine Bücher hat oder ungerne Grusch aus dem Urlaub in den Regalen stehen hat. Vielleicht hat man sogar einen offenen Kleiderschrank, aber die Farbe der Kleidung ist ein und dieselbe, weil man nichts anderes trägt außer Schwarz, Weiß, Grau, Beige. Das trifft auf mich leider nicht zu.

Manchmal beneide ich andere um ihre Stabilität im Geschmack, im Gefühl, im Leben. Um das Wissen-was-man-will.

Ich bin also noch längst nicht dabei angekommen, meine Wohnung als fertig eingerichtet zu bezeichnen. Obwohl ich weiß, was mir gefällt, arbeite ich jeden Tag daran, sie noch etwas wohnlicher zu machen. Noch mehr ICH sozusagen. Bis ich irgendwann eine Flasche Wein aufmache und sage: Ja, das ist es. Aber alles braucht seine Zeit. Das Leben ist bunt und vielseitig :)

3 Comments
  1. Wie immer ein toller Post von dir! :) Vieles davon kann ich total nachvollziehen, zum Beispiel den Teil mit den Büchern. Meine habe ich schweren Herzens aus Platzgründen erst einmal in der Heimat gelassen und ich habe immer nur das da, was ich gerade lese. Das finde ich aber total schade, weil ich es toll finde, die Bücher – und damit auch die Erinnerungen – nebeneinander im Regal stehen zu haben. Auch wenn viele davon nicht gerade optisch viel her machen. Wenn ich auf Pinterest herumstöbere hätte ich auch gerne so eine „perfekte“ Wohnung wo alles haargenau aufeinander angestimmt ist und seinen Platz hat. Aber ich glaube das ist einfach utopisch. Die Wohnungen werden oft entweder speziell für dieses eine Foto so aufgebaut/inszeniert oder aber sehen nach der Aufnahme, wenn dort auch wirklich Leute wohnen, gar nicht mehr so fototauglich aus. Im Endeffekt zählt aber sowieso nur, dass man sich wohl und heimisch fühlt :) Liebe Grüße!

  2. Du hast mir in vielerlei Hinsicht aus der Seele gesprochen. Ich kann mich auch immer so schwer entscheiden, bin perfektionistisch veranlagt und möchte dann immer noch alles sofort fertig haben. Das passt aber gar nicht zusammen. Ich wohne jetzt seit einem Jahr in unserer neuen Wohnung und fertig ist bei langem nicht alles. Weswegen auch immer noch Bilder fehlen. Bislang ist nur das Schlafzimmer und Teile des Wohnzimmers online. Ich habe mir diesmal Zeit genommen, um Fehlkäufe zu minimieren.

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