MATRJOSCHKA DIARIES – TEIL 2 – ICH WÜNSCHTE ICH WÄRE JUPP HEYNCKES

Diesmal über… die Markus Söder und die scheinbar sehr freundschaftliche Einbürgerungspolitik Bayerns!

Es gibt da draußen viele Menschen, die sich wünschen, jemand anders zu sein. Kim Kardashian, zum Beispiel. Oder Manuel Neuer. Ich war bis jetzt eigentlich ziemlich zufrieden mit meinem Leben und der Person, die ich bin, und hatte nie das Bedürfnis, jemand anderes zu sein, als ich selbst.

Bis vor Kurzem. Seit Kurzem habe ich den Wunsch, Jupp Heynckes zu sein.

Es ist dabei nicht seine finanzielle Absicherung als Ex-/Scheidender-Trainer des FC Bayern München und auch, bei aller Liebe, nicht sein Good-Looking-Face, sein Lachen oder seine charakterstarken Ohren. Ich bin auch schon charakterstark, das passt also an der Stelle. Aber wäre ich Jupp Heynckes und nicht Julia, dann würde ich diese Kolumne hier gar nicht schreiben. Ich müsste mich nicht min. 2 Jahre mit Behördengängen rumschlagen und Papierkram, um nach 23 Jahren im vollkommenen überlasteteten und überarbeiteten KVR eingebürgert zu werden. Nein.

Markus Söder, der in Bayern vor allem bei jungen Wählern, Millenials, Digital Natives, Liberalen, jungen Familien und nach vorne denkenden Nachwuchstalenten sehr beliebt ist, würde sich persönlich darum kümmern!

Wie ich darauf komme? Na, er hat es ihm selbst angeboten, an Heynckes 73. Geburtstag, als dieser statt seinen Geburtstag zu genießen, neben dem Ministerpräsidenten stand, der das Trikot falsch herum trug.

(…) Dafür darf er sich nun jederzeit einbürgern lassen, ist ja auch ein Geschenk: Söder versprach, den Rheinländer zum bayerischen Staatsbürger zu ernennen, falls er das wolle. Dafür würde er „jederzeit eine Kabinettssitzung“ einberufen (SZ Online). 

Jaja, schon klar. Das Rheinland ist nicht Russland. Und ich mag Jupp Heynckes auch sehr gerne. Aber ich würde mir wünschen, der gute Markus Söder würde sein Wohlwollen auf einen größeren Personenkreis ausdehnen, als den Trainer einer Fußballmannschaft, mit der er gerne aus Imagegünden gern Best Buddies wäre. Ich weiß, ich trainiere keine Fußballmannschaft, die Stadien füllt. Aber bin ich es nicht auch Wert, schnell und effizient eingebürgert zu werden? Immerhin zahle ich hier seit ich 18 bin Steuern, bin akademisch ausgebildet, sicherlich nicht arbeitsscheu, setze mit meinem Mann zusammen auch noch ein Kind in die Welt und das, obwohl ich zwar in Behördenfluren dem Himmel sei Dank Kreuze sehen darf, aber um einen Kita-Platz betteln muss. Will Markus Söder nicht auch für mich eine Kabinettssitzung einberufen? Ich mache ihm auch ein Tshirt.

Hach, besonders schön finde ich ja diesen Artikel hier aus dem Jahr 2016, als Herrmann und Söder bei einer Veranstaltung die Neubürger begrüßt haben. Es macht mir ja ein bisschen Hoffnung, immerhin steht da:

„Wer hier auf Dauer leben will, sollte nicht nur den Willen mitbringen, hier heimisch zu werden, sondern muss auch unsere Grundwerte akzeptieren und leben. Uns geht es um wichtige Werte wie Toleranz, Gleichberechtigung von Mann und Frau und Respekt vor dem Glauben anderer (….). Bayern stehe gerade für hochqualifizierte Hochschulabsolventen und ausländische Fachkräfte offen. Grundvoraussetzung sei das Beherrschen der deutschen Sprache. (…) Außerdem müssen sich die Einbürgerungswilligen zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung unseres Grundgesetzes bekennen und sich mit unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie unserer Geschichte und unseren Lebensverhältnissen auseinandersetzen.“

Ja, das finde ich wundervoll. Denn ich bin total dafür! Total für einen sekulären, demokratischen Staat, in dem keine Kreuze in Behören und Schulen hängen müssen, aber jeder von mir aus 10 Stück davon um den Hals tragen kann. Die freiheitlich demokratische Grundordnung kann ich runterbeten, vor allem, da es so ziemlich dem neuem Polizeigesetzt widerspricht. Ja, gleichberechtigung für Mann und Frau finde ich auch eine super Sache – anders, als z.B. Horst Seehofer, der noch 1997 dagegen gestimmt hat, dass Vergewaltigung in einer Ehe eine Straftat ist. Respekt vor dem Glauben anderer? Ja, natürlich. Aber wie ist denn das jetzt genau mit dem Islam, gehört der jetzt z.B. dazu oder nicht…? Ich bin verwirrt.

Und wäre ich Jupp Heynckes, dann müsste ich das gar nicht sein. Markus Söder würde einfach den roten Teppich für mich ausrollen und mich im Land der Bayern willkommen heißen. Oder ich habe sogar eine bessere Idee: Wir könnten einfach Pässe tauschen. Denn das Verständnis von Toleranz, Demokratie und Gleichberechtigung wird da, wo ich herkomme, ähnlich interpretiert. Vielleicht können wir ja einen Deal machen, Markus?

Letzten Teil verpasst?

Hier geht es zu Matrjoschka Diaries – Teil 1 – Die Einbürgerungskolumne

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