Oh, ich will! | Ein Kleid für’s Leben

…oder vielleicht doch nur für einen Tag?

Oh ich will Ein Kleid fürs Leben 1

Es ist ein verrückter Moment und mir gehen viele Sachen durch den Kopf. Viele Aha’s, Oho’s und auch viele Abgleiche zwischen Erwartungshaltung, Träumen, Vorstellungen und Realität. Es ist ein verrückter Moment, diese bestickten, weißen Kleider anzuziehen und aus der Umkleide rauszugehen, vor der zwei Freundinnen und meine Mama warten. Jetzt ist es soweit, ist einer der Gedanken. Jetzt stehste da, in so einem Brautladen.

Vorweg: Wir lachen viel, der Tag ist voller Witz, schöner Momente und Ratschlägen und Helena hat eine Flasche Prosecco mitgenommen. Meine Mama kommt wie immer zu spät, aber ich probiere das erste Kleid, das sie verpasst hat, nochmal an. Andrea, die im Brautladen arbeitet, hat sichtlich Spaß an ihrer Arbeit und ein tolles Händchen für die Auswahl. Es ist herrlich! Anstatt in Tränen auszubrechen, freut sich meine Mama wie ein Schnitzel, als ich in ein pompöses Brautkleid mit Schleier schlüpfe und Julia darf Fotos von allen Kleidern machen, die dann an Freundinnen zur weiteren Bewertung verschickt werden. Anschließend Essen wir noch auf dem Viktualienmarkt. So schön! Ich fühle mich nach Glitzer und Konfetti!

Oh ich will Ein Kleid fürs Leben 2

Online vs Offline

Das ist genau das, was Online Shopping nicht bieten kann: Die Erfahrung, der Genuss, der Austausch. Beim Onlineshopping sitzt man dann doch alleine da und start auf einen leuchtenden Bildschirm. Etwas anfassen, es anprobieren? Erfolgt erst zeitversetzt. Und damit auch die Freude – oder die Enttäuschung. Nichtdestotrotz macht der Online Handel nun auch der Brautmode zu schaffen.

Der zweite Laden, in den wir nur mit meiner Mama am Nachmittag gehen (ein großen Outlet-Center am Rand von München) zeigt mir auch warum: Mehr als 1-2 Personen dürfen einen zum Einkauf nicht begleiten, die Begleitpersonen müssen warten, bis Braut und Verkäuferin sich die Kleider angesehen haben, Fotos sind absolut verboten. Obwohl die Verkäufern eine nette und zuvorkommende Frau ist, die ihr Bestes gibt, werde ich in diesem Laden nicht glücklich.

Die Süddeutsche Zeitung hat hierzu einen tollen Beitrag veröffentlicht: Weißknüller. Die Entwicklung, dass Kunden lieber online bestellen, haben andere Branchen schon durchlaufen und mussten sich neu erfinden, egal ob Schuhhändler oder Buchläden. Davon bleibt eben auch der Brautmodenmarkt nicht verschont, da hilft es auch nichts, wenn die klassischen Händler auf das böse Internet schimpfen!

Das Kleid, die Hochzeit, die Flitterwochen – Das Budget

Und trotzdem, bei all der Freude, all der Aufregung und vielleicht auch, weil ich nicht dieses Gefühl empfinde: „DAS IST ES“, schleicht sich auch nicht einmal besonders leise der Zweifel ein: Über Tausend Euro und das nur für das bisschen weißen Stoff? Für die paar Perlen und die paar Stickereien? All das Geld, ein halbes Monatsgehalt für einen Tag?  Oder habe ich nicht vielleicht doch andere Prioritäten? Das Essen und die Drinks, der Fotograph – und natürlich auch die Flitterwochen? Sind die Tausend Euro nicht für einen Flug ins Paradies besser investiert, vielleicht sogar Business Class, als nur für dieses eine Kleid?

Es ist ein wenig der Kleinmädchentraum vieler, dieser Wunsch, in unserer ach-so-emanzipierten Welt an einem Tag die schönste, strahlendste Prinzessin zu sein. Dafür nehmen viele Preise von weit über 2.000€ in Kauf. Denn man heiratet ja nur einmal und so. Aber mit Schuhe, Accessoires, Friseur, Makeup-Stylist, seinem Anzug… da bleiben nicht mehr viele Posten zum einsparen. Und irgendwo muss man damit anfangen.

Wie Anna von fafine schreibt: „(…) wie das klingt; „low Budget“. Eigentlich eher Attribute, die man nicht in Kombination mit seiner Hochzeit hören und schon gar nicht sagen will(…)“

Ich frage mich, ob „Low Budget“ aber gleichzusetzen ist mit „Weniger Wert“. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass beim Brautkleid das Gleiche gilt, wie bei Style: Nur weil man mehr zahlt, sieht man nicht automatisch besser aus. Auch in einem weißen Kleid von Asos, Zalando oder Monsoon kann man an seinem großen Tag eine wunderschöne Frau sein.

Heiraten ist teuer, da können euch Ratgeber und DIY-Ideen noch so oft anderes vorgaukeln. Es kostet: Entweder Zeit oder Geld. Aber es macht auch unheimlich Spaß, denn wir planen ja nichts anderes als eine Riesenparty und der Anlass ist Liebe und ganz ehrlich, gibt es etwas Besseres? Da kann man auch das TamTam drumherum genießen!

Ich möchte nicht behaupten, dass mir das Kleid absolut unwichtig ist, ganz und gar nicht. Ja, ich will schön sein an dem Tag und nein, 08/15 soll es auch nicht sein. Mir ist bewusst: Manche Sachen kosten eben Geld. Aber das Kleid? Rutscht für mich auf der Prioriätenskala immer weiter nach unten. Und dafür das Häusschen auf Holzpfählen im türkisfarbenem Wasser immer weiter nach oben.

Jede muss sich die Frage, wie wichtig das Kleid für sie sein muss, selbst beantworten.

Ich für mich habe eine Antwort gefunden!

Oh ich will Ein Kleid fürs Leben 3

Lest hier von anderen, die auszogen, um zu heiraten und dabei traumhaft aussahen!

1 Comment
  1. Hochzeitskleid zu suchen/planen ist soo schön! Wenn man mit einem günstigen Kleid zufrieden ist, weil man mehr Geld für die Hochzeitsreise ausgeben will, dann soll’s so sein ;) Ich habe auch keine tausende Euros für mein Kleid ausgegeben und fand es trotzdem schön. Hauptsache man ist selber mit dem Kleid und mit der Hochzeit zufrieden :) Viel Spaß bei der Vorbereitung!!

Leave a Reply

Your email address will not be published.