Travel Often | Winter in Russland

Reisetipps Russland im Winter 1

Tipps zu den 5 schönsten Hotels auf den Malediven oder den 10 besten Shopping-Malls in New York findet man viele. Aber wie sieht es aus mit Reisetipps für Russland? Noch dazu im Winter, der Jahreszeit, von der sich Mitteleuropäer vorstellen, dass man auf einem Bären reitend und mit gefrorenen Augenbrauen zur Arbeit kommt? Ich selbst war schon lange Zeit nicht mehr im winterlichen Russland gewesen.


Meine Reisetipps für den russischen Winter

Das Bild, das ihr unten seht, ist jetzt 23 Jahre alt. Dank meiner Mama war ich schon damals ein ziemlich stylischer Cupcake :3 Mit meinen „Walenki“ (Filzschuhe), einer Fellmütze und dem heißgeliebten kleinen, gefleckten Pelzmantel aus Schaffsfell.

Reisetipps Russland im Winter 2

Lasst mich mit ein paar Vorurteilen aufräumen, euch erzählen, was man bei -10°C bis -27°C trotzdem beachten sollte und welche weiteren Tipps ich euch sonst noch für eine Reise nach Russland im Winter geben kann.

Reisetipps Russland im Winter 3

1. Akzeptiere den Pelz

Ohne zu tief in die Pelzdebatte einsteigen zu wollen sind wir uns vermutlich alle einig, dass das Pelzgeschäft grausam und brutal ist, dass wir froh sein können, dass es Verbände gibt, die sich dagegen engagieren und das kaum ein Mensch auf diesem Planeten Pelz braucht. Vielleicht noch die Saami oder Inuit in den nördlichen Kreisen, aber ganz sicher braucht niemand ein bodenlanges Nerzgewand in der Maximillianstraße von München, wo das Thermometer dieses Jahr im Dezember die 15°C Marke geknackt hat. Nein, kein Mensch braucht Pelz in Mitteleuropa. Keiner.

Anders sieht es Gegenden aus, in denen es durchaus einen Unterschied zwischen Sommer und Winter gibt. Und die Winter sind hart. Pelzmäntel sind in Russland daher weit verbreitet.

Zum einen gab es früher (und damit meine ich auch die 80er oder 90er) keine alternativen Kleidungsstücke, die bei den Temperaturen warm hielten und bezahlbar waren. Erst seit einigen Jahren liegen Daunenjacken richtig im Trend (weil: verfügbar) und verdrängen langsam aber sicher die Pelze. Früher gab es keinen Zara und H&M. Klar, man konnte sich auch eine teure Expeditionsjacke für den Nordpol kaufen, aber wer hatte das Geld dazu? Pelze waren nicht nur schicker, sondern auch auf Grund der Haltung der Tiere und dem Wegfall von Importzöllen und Transportkosten, günstiger. Bis heute werden viele Pelze auch einfach vererbt.

Nein, ich bin nicht d’Accord mit Pelz und möchte sicherlich nicht, dass ihr das seid. Ich möchte nur denjenigen auf die Finger klopfen, die kein Gesamtbild sehen können und nur mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt laufen. Es ist eine langsame Entwicklung, von Pelz zu Daunen. Aber sie ist da und sie geht voran. Also steckt euren Zeigefinger ein, bevor er einfriert. Wer Russland im Winter bereisen will, muss auch Zusammenhänge sehen.

Russland im Winter Lenin Matroshka

2. Klimazonen kennen

Russland erstreckt sich über viele Zeit- und Klimazonen. Die wenigsten von euch werden nach Vladivostok an der chinesischen Grenze ganz im Osten des Landes reisen oder in die Taiga von Sibieren. Nichtsdestotrotz gibt es immer massive Unterschiede, ob man sich in St. Peterburg, Moskau, am Baikal oder im Ural befindet. Vergesst nicht: Es gibt auch eine Schwarzmeerküste (nein, ich meine nicht die Krim. Sondern z.B. Sotschi), wo ihr euch keine Sorgen um abgefrorene Zehennägel machen müsst.

Außerdem herrscht in Russland kontinentales Klima. Was bedeutet das? Dass es anders als in Deutschland, wo es manchmal im November wärmer ist als im Juni, nach wie vor ausgeprägte Jahreszeiten gibt. Also heiße Sommer und kalte Winter, zwischen z.B. +35°C und -25°C kann also in Moskau alles drin sein. Aber auch in Sibirien knackt das Thermometer im Sommer locker die 20°C. Also Schluss mit den Ammenmärchen!
(Es sei denn ihr wollt nach Oimjakon, dem kältesten von Menschen bewohnten Ort der Welt).

Dass bei vielen bereits -10°C Schauer über den Rücken laufen lässt liegt auch daran, dass der Deutsche Winter so viel feuchter ist. Brrr… wenn ich schon nur daran denke! In Russland ist die Kälte sehr trocken und kriecht nicht durch jede offene Stelle in der Kleidung, daher wird sie gefühlt ganz anders wahrgenommen.

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(Kalt. Aber nicht Schockgefroren)

3. Im Zwiebel-Look kleiden

Viele Häuser und alte Hotels in Russland haben nach wie vor das System der Zentralheizung. Eine Zentralheizung, die nicht gesteuert werden kann. Am 15. Oktober geht sie an und am 15. April wieder aus, es gibt außer geöffneten Fenstern und neu sanierten Wohnungen keine Möglichkeit zur Regulierung. So saß ich zum Beispiel im Leinenshirt vor dem Fernseher und habe geschwitzt! Ähnlich wie es im Skytrain in Bangkok permanent kalt ist, ist es in russischen Gebäuden oft unerträglich warm. Wenn man nicht sofort mehrere Schichten auszieht, dann schwitzt man innerhalb von Minuten und friert danach draußen umso schneller.

Die Kunst ist es also, sich im Zwiebel-Look zu kleiden, also Tshirt – Bluse – Cardigan – Schal – Mantel. „Layering“ nennt man das übrigens im Fachjargon ;) So kann man je nach Raumtemperatur beliebig Schichten abstreifen.

Reisetipps Russland im Winter 5

4. Knie bedecken

Auf dem Bild seht ihr gleich einen Riesenfehler: Ich habe Boots an und meine Knie sind nicht bedeckt. Fatal! Denn während unseren Kopf Mützen, Schals, hohe Krägen und Kaputzen schützen und unsere Hände Lederhandschuhe, bleibt für die Beine nur eine Strumpfhose (und die ist eigentlich zu warm um sich drinnen aufzuhalten, siehe Punkt 3), hohe Stiefel und ein knielanger Mantel. ABER hohe Stiefel und lange Mäntel bedecken meistens genau eins nicht: Die Knie! Lernt aus meinen Fehlern!

Russland im Winter

5. Deftig essen

Verabschiedet euch von dem Gedanken an Salat zum Abendessen, wenn ihr Russland bereist. Ja, im Sommer wenn alle frisches Obst und Gemüse von ihren Datschas (eine Art Schrebergarten oder Häuschen im Grünen) ernten, kann ich nicht genug kriegen von frischen Zwiebeln, Tomaten, Erdbeeren oder Äpfeln, die ich direkt im Garten pflücken kann. Aber im Winter wird deftig gespeist! Der Körper braucht die Energie, um gegen die Kälte anzukämpfen, rede ich mir immer ein… ;)

Auf dem Speiseplan stehen Mehl- und Teigwaren, viel Fleisch und gebratener Fisch, Kartoffel- und Kohlgerichte. Lasst euch darauf ein und vergesst euren Fitnessplan Zuhause!

Hier zu sehen sind übrigens Blini, die zusätzlich mit einer Eier-Butter-Mischung bestrichen werden. omg.

Russische Blini

Reisetipps Russland im Winter 6

Russische Hausmannskost

Meine Cousine „macht mal kurz was zu essen“ – Kaviarbrote, selbst eingelegte Pilze, selbstgemachte Pizza, frischer Lachs

In Russland legt das Leben im Winter einen anderen Gang ein. Man ist viel drinnen, beschäftigt sich mit dem Zuhause und seiner Familie, ist gesellig. Die Schüler und Studenten konzentrieren sich auf ihre Ausbildung und alle fahren mürrisch in die Arbeit. Als Tourist kann man sich in Museen, Kirchen, Einkaufszentren und Restaurants aufhalten. Oder der Banja, der russischen Version einer Sauna. Russland im Winter zu bereisen ist nichts für jedermann. Aber wie alle Reiseziele zu allen Jahreszeiten hat auch das ihren eigenen Charakter!

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