Sunday Soul | Positive Mind, Positive Vibes, Positive Life

In letzter Zeit, vielleicht in den letzten Wochen und Monaten, hat sich etwas in mir verändert. Es hat etwas gedauert, bis ich erkannt habe, was es genau ist. Nämlich meine Einstellung zu manchen Dingen. Als ich eines Morgens einfach aufgewacht bin, war es so unfassbar einfach und klar, als ob jemand einen Zettel in meinen Kopf geklebt hatte. Und auf dem Zettel stand: You get what you focus on, so focus on the good. Und jetzt kommt ein wirklich langer Beitrag von dem, was mir durch den Kopf geht:

Dieses Wochenende war ich auf der Hochzeit zweier Freunde (Wedding Season 2016 is on!! 1/5). Ich brauche es wohl nicht zu sagen: Es war ein wundervolles Fest, so voller Liebe, Lachen, Lampignons im Garten, bunter Lichter und Schilder, ein glücklicher Ehermann, eine wunderschöne Braut, Trauzeugen, Familie und Freunde, die sich wirklich ins Zeug gelegt haben, inklusiver musikalischer Einlagen, kreativen Fotosessions, Leinwänden zum Bemalen, bayerischem Gypsy-Soundtrack von Django3000 und dem Brautstraußwurf an einem brennenden Herz. Der Traum einer entspannten, familiären Sommerhochzeit!

Dabei sah es lange nicht so gut aus – wer vorgestern mal in Bayern aus dem Fenster geschaut hat wusste, dass wir hätten vielleicht Gummiboote mitnehmen sollen… Auf dem Weg zum Fest stand die ganze Autobahn unter Wasser und uns und unseren Bus schwemmte es bei einer feuchten Runde Aquaplaning aus der Spur. Das Brautpaar? Bestens vorbereitet, entspannt, gut gelaunt, mit Pavillions und Planen ausgestattet. Und am Ende ließ der Regen nach und hörte irgendwann ganz auf.

Eine Freundin sagte noch das Wochenende davor:

Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.

Mit ihr waren wir zu dem Zeitpunkt in Italien und saßen am Strand. Insgesamt waren wir zu acht und feierten das Leben, auch wenn wir auf dem Hin- und Rückweg bis zu 10 Stunden im Stau standen. Egal! Trotzdem geil! Totally worth it! Wir reden über Dinge, die wir gut finden, die wir schön finden, von denen wir träumen, die wir schaffen, für die wir arbeiten. Wir motivieren uns und bestätigen uns, wie schön diese Reise ist. Negatives hat an unserer langen Campingtafel keinen Platz.

Positive Gedanken muss man praktizieren. Im Alltag verschwindet nämlich oft das Bewusstsein und die Dankbarkeit, für das, was wir haben, unter einer Staubschicht aus Problemen. Wir sagen öfter, was uns stört, als das, was uns guttut. Auf die Frage „Wie geht’s?“ antworten die wenigsten „Richtig gut!“. Aus Langweile oder Geltungsdrang werden aus Mücken ein Elefanten gemacht. Eine kleine Lästerei über jemanden, der nicht dabei ist, geht leichter über die Lippen, als ein Kompliment. Im Flurfunk oder in der Familienrunde hört man eher „Geht ja gar nicht…!“ als „Sie sah gestern fantastisch aus!“. Lieber verbeißt man sich in seine Prinzipien, als einen Schritt zurückzuweichen. Lieber hart seinen Platz und seine Meinung bis aufs Blut verteigen, als Verständnis zeigen.

Und das will ich einfach nicht mehr! Ich will das nicht sein, ich will das nicht leben, will das nicht nach außen tragen und will mich damit auch nicht umgeben. Ich will ein richtiges Leben führen, nicht nur 365 aufeinander folgende Tage im Jahr! Ich will mich freuen können, will mich begeistern dürfen, will mich aufregen können statt Dinge in mich reinzufressen und sie dann jemandem Monate später emotional vor die Füße zu kotzen. Ich will aufrichtig sein, lernen, neugierig bleiben, lieben, geliebt werden. Ich will ein positives Leben. Ein Leben, das diesen Namen auch verdient.

Vor Jahren, ich war vielleicht 15, sagte die beste Freundin meiner Mama zu mir:

Irgendwann wirst du verstehen, dass du die Wahl hast Recht zu haben oder Glücklich zu sein.

Damals fand ich es schrecklich. Heute verstehe ich es.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es weder dumm noch naiv ist, sein Leben positiv zu leben. Und in diese Überzeugung musste ich erst hineinwachsen. Positiv zu leben bedeutet nicht, dass man schlechte oder negative Gefühle ausblendet – es bedeutet sich dafür zu entscheiden, diese Gefühle zuzulassen, sie zu akzeptieren, aber auch irgendwann wieder loszulassen.

Man kann sich auch nicht mit negativen Menschen umgeben und positiv sein Leben leben. Es sind nicht traurige Menschen, nicht grummelige Menschen, nicht sarkastische Menschen von denen ich rede. Sondern Menschen, die in allem das Schlechte sehen. Deren Motto „Nicht geschimpft ist gelobt genug“ ist. Die deinen Garten grüner finden und ihn dir schlecht reden. Die sich besser fühlen, wenn es anderen schlechter geht. Die dir nichts gönnen. Bei denen man sich unzulänglich vorkommt. Menschen, die einen belasten, einem die Energie rauben, in deren Gegenwart keine echte Freude aufkommt.

Und dafür ist unsere Zeit einfach zu kostbar!

Wenn man sich entscheidet, positive Gedanke zu praktizieren und sie auch zu leben, dann heißt das nicht, dass man nichts mehr an sich ranlässt und die Augen verschließt. Ich weiß sehr wohl, dass nicht alles rosig ist.

Aber muss ich bei jedem Bericht über schlecht geführte Altersheime daran denken, dass meine Mama irgendwann alt wird und von der Angst zerfressen werden, wie es ihr dann geht? Oder sollte ich nicht darüber nachdenken, wie ich mir die Unterstützung vorstelle und wie ich mich verhalten will, wenn etwas passiert? Muss ich bei jeder Werbung von Save the Children, in der ich kranke und hungernde Kinder sehe, ein schlechtes Gewissen haben – oder sollte ich nicht viel eher darüber dankbar sein, dass es mir gut geht und überlegen, wie ich selbst Kinder in Not unterstützen kann? Wenn jemand etwas zu mir sagt was mich verletzt – soll ich schmollen, grübeln und unterschwellig beleidigt sein? Oder es direkt ansprechen, zu klären versuchen oder zumindest versuchen, es aus der anderen Perspektive zu sehen? Wenn jemand sich nicht meldet – soll ich es als Beleidigung auffassen? Oder nicht doch lieber zunächst davon ausgehen, dass der andere es gar nicht böse meint?

Ich entscheide mich für positive Gedanken. Für Nähe. Für Nächstenliebe. Für Freundlichkeit. Für Taktgefühl. Für das Mit- statt Gegeneinander. Das ist nicht dumm. Nicht naiv. Es ist eine Entscheidung für ein besseres Leben.

So wie an unserer Campingtafel in Italien.

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