Travel Often | Lost in Translation

Unterwegs in Tokio

2003 war ich 15 Jahre alt und hatte durch welchen Zufall auch immer vom Film Lost In Translation gehört, der in München nur in einem kleinen City Kino lief. Ich wollte ihn unbedingt sehen, also gingen meine Mama und ich hin. Zum ersten Mal sah ich Scarlett Johansson. Ich fand sie so schön, als sie in Kyoto über die Steine im See zu einem Shinto-Tempel ging. So lässig mit ihrer pinken Perücke und dem Whiskey in der Hand in der Karaokebar. Und irgendwie auch verletzlich.

Der Soundtrack brannte sich in mein Herz.

Der Gedanke, dass Tokio auch ein Ort für mich war ließ mich nicht los. Und auch nicht der Gedanke, dass man sich an manchen Tagen einsam fühlen kann, ohne allein zu sein. Dass man manchmal nicht einmal für sich selbst die richtigen Worte findet. Sich auch als junger Erwachsener nicht verständlich machen kann, weil man nicht wirklich weiß wohin mit sich. Schwerelos ist. Irgendwie losgelöst von allem. Nicht verbunden. Wäre man ein Telefon, dann wäre die Nummer nicht vergeben. Bis dann jemand kommt und einen auch ohne Worte versteht. Eine Verbindung herstellt, die Leitung belegt. Jemand, für den man kein Wörterbuch braucht.

Ich habe mich gefragt, warum das der Drehort für diesen Film war. Der Ort für dieses Verlorensein und doch sich Geborgen fühlen, dieses Unbestimmte, dieses Rastlose, dieses Faszinierte.

Am 15. August 2010 stieg ich ins Flugzeug und flog nach Tokio.

Streets of Tokyo at night

Tokyo Asakusa at night

Tokio Lanterns at Night

Japanese Dolls Tokio

Streets of Tokio

Tokyo Street at night

Tokyo Streetlife at night

Shopping in Tokyo street market

Tokyo Street at night (2)

Tokyo Streetlife

Small japanese dolls in Tokyo

Eigentlich habe ich erst Jahre später verstanden, warum es Tokio war. Nur hier ist man wirklich „Lost in Translation“, kann keine Etiketten, Straßenschilder oder Werbung lesen. Man verläuft sich und findet sich an den besten Plätzen der Stadt wieder oder in der japanischsten Kneipe oder in dem Shabushabu-Restaurant im 35. Stockwerk. Im Supermarkt oder im Shopping Center verstehe ich die Verkäuferinnen nicht, wie sie auf mich in rasendem Japanisch einreden und dabei so witzig lachen und nicken. Irgendwann sage ich nur noch „Hai, Hai, Arigatou“ (jap. für Ja, Ja, Danke) und lache auch und sie lachen, weil ich lache und nichts verstehe.

Ich denke noch heute daran zurück, wie ich damals an Scarlett Johansson dachte, wie sie cool und doch vollkommen orientierungslos durchs Leben stolperte und auf das nächtliche Tokio sah, weil sie nicht schlafen konnte und einen Platz im Leben suchte. Suchen wir ihn nicht alle?

Und so ist bis heute der Sountrack von Lost in Translation der Soundtrack meines Lebens geblieben. Seit damals, als ich mit 15 mit meiner Mama im Kino saß und den Film sah. Seit damals, als ich noch gar nicht wusste, dass man sich auch mit 26 manchmal so wundervoll, so verloren, so geliebt, so liebend, so unverstanden, so unverständlich fühlen kann. Bis heute ist es der Soundtrack, den ich mir anhöre, wenn selbst ich keine Worte finde für die Welt um mich, wie ich sie sehe, wie ich sie fühle. Weil sie so widersprüchlich ist, so vielfältig, manchmal so unverständlich und rau und doch so faszinierend und wundervoll. Wie Tokio.

Und dann läuft „Just Like A Honey“ und ich schaue aus dem Fenster, 9.370km entfernt.

Hier geht’s zum vollständigen Soundtrack von Lost in Translation

* Die meisten der Nachtaufnahmen wurden von meiner damaligen Reisebegleitung geschossen, der – seit ich ihn in der achten Klasse nach einem Radiergummi gefragt hab‘ – einer meiner besten Freunde ist. Nochmal so lange mit ihm verreisen würde ich nicht. Er schnarcht wie eine kanadische Holzfällermannschaft.

1 Comment
  1. Sau, sau cool!!!
    Tokio ist derzeit echt weit oben auf meiner Travel-Bucket-List!!! So aufregend schaut aus!
    Bei mir kann man noch bi zum 13.Februar einen Mydays-Gutschein gewinnen, vielleicht hast du ja Lust mitzumachen :)
    Liebste Grüße,
    Vicky

Leave a Reply

Your email address will not be published.