Unterwegs in … Albanien!

Es ist einfach, über Traumstrände zu schreiben. Über Palmen und weißen Sand. Über aufregende Städtetrips, coole Bars, noch coolere Drinks, laue Abende und laute Musik. Es ist einfach sich für Dinge zu begeistern die laut sind und glitzern und funkeln und strahlen. Aber Albanien strahlt und glitzert nicht. Ruhig liegt es im südlichen Zipfel Europas, nahezu unbemerkt vom Rest Europas. Und muss seinen Weg gehen.

Vorab: Nein, ich war in den letzten paar Monaten nicht spontan in Albanien unterwegs und habe niemandem etwas davon erzählt. Aber 2011 hatte ich die Möglichkeit in das Land zu reisen, in dem vermutlich die wenigsten waren. Ob ich von selbst darauf gekommen wäre, Albanien als ein Reiseziel auszusuchen, wage ich zu bezweifeln. Und das, obwohl es eigentlich an einer wunderschönen Küste liegt. Albanien – das klingt doch schon nach Krieg. Oder?

Aber was weiß man schon über Albanien? Kennt jemand die Nationalmannschaft? Ihre Hauptstadt? Ihre Geschichte? Den Präsidenten? Oder ihre Nachbarländer? Als ich zum ersten Mal die Grenze nach Albanien überquere, weiß ich nichts von diesen Dingen. Denn Albanien ist für mich ein weißen Fleck auf der Landkarte Wir fuhren über Montenegro, über einen kurvigen Bergpass und vor dem Busfenster hatte es angefangen zu regnen. Drinnen, zwei Reihen vor mir, hatte ein Typ angefangen, Gitarre zu spielen. Es zogen Hütten, angelegte Gärten, Eselkarren an uns vorbei. Mir kam es vor, als fahren wir in eine andere Welt.

Dass wir in einem klimatisierten Bus fuhren und wie in einen Freizeitzoo hinausgestarrt haben … der Gedanke beschämt mich bis heute.

Was erwartet dich, wenn du unterwegs in Albanien bist?

Dich erwartet vor allem Gastfreundschaft und Neugier, aber auch Armut und Anbiederung.

Nur 1.300km trennen München und die Hauptstadt Tirana, selbst nach Frankreich fahren wir länger. Aber die Grenze, die ist nicht auf der Karte zwischen zwei Ländern. Die ist zwischen Generation Y und unserem Lebensstandard und einem Durchschnittseinkommen von 350$ pro Monat. Du bist der reiche Touri, der du nicht sein willst.

Es ist schwierig in Albanien keinen Bunker zu sehen. Aber nicht die großen wie in der Normandie. Sondern kleine, keinen Meter aus der Erde herausragenden Betonkuppeln, die wie Maulwurfshügel das Land durchziehen. In den 70er und 80er Jahren, unter der schizophren-kommunistischen Regierungsperiode von Enver Hoxha enstanden nahezu 200.000 kleinerer Bunker. Zu jener Zeit fürchtete die Regierung Albaniens nicht nur den Einfall des westlichen Imperialismus, sondern auch eine Annektierung durch die großen kommunistische Staaten im Osten. Hoxha, ohnehin paranoid veranlangt, sah in jedem Ereignis eine Gefahr für das albanische Volk. Aber statt das Geld und das Rohmaterial in den Bau von Straßen und Infrastruktur zu stecken, baute er die Bunker.

Bis heute kursiert die Geschichte, das Hoxha den Chefingenineur in einen seiner eigenen Bunker gesperrt und mit Panzer beschossen habe, um die Widerstandskraft der Bauten zu testen, bevor sie in die Massenproduktion gingen. Bis heute leidet das Land an seiner vergangenen Isolationspolitik und politischen Spannung zu all seinen Nachbarländern.

Albanien hat neben seinen wirtschaftlichen und sozialen Problemen aber auch kein Auge für Umweltschutz. So sahen wir in den schönsten Bergtälern die schlimmsten Müllgruben.

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Albanien vergeht wie im Flug. Wir laufen in Tirana über die Prachtstraße mit Cafés und Bars und besichtigen eine Moschee. Richtig Zeit, die Stadt zu erfahren und kennenzulernen bleibt keine.

Ich erinnere mich nur noch, dass ich schon müde war von all den anderen Eindrücken. Zu müde, um noch etwas von Tirana mitzunehmen, außer dem schalen Gefühl etwas verpasst zu haben.

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Albaniens Küste

Es ist vor allem die unberührte Natur, die Albaniens Kapital für die Zukunft darstellt und die das Land um jeden preis beschützen muss. Flüsse, die durch Wiesen fließen. Berge, Hügel und Täler. Eine Landschaft, in der man oft Kilometerlang keine Menschenseele sieht. Karge Felsen, die in türkisblauem Wasser enden. Pinienbäume. Eine Küste, die Kroatien in nichts nachstehen soll. Eine Natur, so zerbrechlich und ausgeliefert einer armen Regierung und potenziellen „Prachtbauten“, wie sie in den 70ern und 80ern an den spanischen und italienischen Küsten entstanden sind. Ich hoffe, dass Albanien dieses Schicksal erspart bleibt.

➽ Küsten-Bilder via Lonely Planet: The best beaches of the Albanian Riviera

➽ Mehr Roadtrip-Feeling an Albaniens Küste auf Rear View Mirro: 5 Glorious Beaches in Albania

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Kruja – Albaniens historischer und touristischer Hotspot

Es gibt wohl keinen Ort in Albanien, der neben der Küste touristisch mehr erschlossen ist als die alte Festung Kruja. Obwohl in den Häusern am Berg auch noch einheimische Familien wohnen, gibt es auch Bars, Cafés und sogar Hotels – sowie zahlreiche Stände mit allem möglichen Krimskrams. Leider hatten wir damals keine Zeit alles zu besichtigen, z.B. die Dollmatekke. Die meisten Gäste, die hierher kommen, machen nur einen Tagesausflug oder halten auf der Durchreise an.

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Albanien – Auch was für dich?

Ja, warum solltet ihr noch nach Albanien fahren, was erwartet euch da noch, fragt ihr euch? Warum Albanien und nicht Griechenland oder Kroatien? Ich sag’s euch: Weil es IMMER Griechenland oder Kroatien waren und sein werden. Weil sie bequem und bekannt sind. Weil dort auch andere sind. Und in Albanien, da bist nur du. Nur du, die Küste, die Berge, die Menschen und ein dir unbekanntes Land.

Vielleicht verlässt du die Komfortzone. Vielleicht sieht dich das kleine Albanien schon nächsten Sommer?

Aktuelle Reiselektüre zu Albanien

FAZ – Flucht aus Albanien. Land ohne future (24.08.2015)

Urlaub in Albanien (28.04.2015)

 

2 Comments
  1. Oh was für tolle Eindrücke. Ich wär ehrlich gesagt nie auf die Idee gekommen mal nach Albanien zu reisen, warum auch immer. Hat mich wohl bisher einfach nicht so sehr interessiert, aber nach deinen Bildern werde ich das auf jeden Fall noch mal überdenken :)
    Liebe Grüße, Fiona THEDASHINGRIDER.com

  2. Ein toller Artikel und Reisebericht zu den „alten Fotos“! Auch wenn es nur ein paar intensive Stunden waren, hat Albanien damals auch bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.. Faszinierend, überraschend, aber irgendwie auch verstörend., sodass ich immer mal wieder daran denke – das hast du wunderbar in Worte gefasst!!
    Viele Grüße

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