Van Love Story

Seit es diesen Blog hier gibt, gibt es auch die Kategorie „Roadtrip & Vanlife„. Aus unserer jährlichen Urlaubsplanung, egal ob zwei Wochen oder ein Weekend Getaway, ist Schlafen im Auto und Campingkocher nicht mehr wegzudenken. Und zu unserer Beziehung gehört Träumen und Routenplanung genau so dazu wie der Wocheneinkauf oder das Zahlen der Stromrechnungen.

Ich würde sogar sagen, dass die Stabilität, Geduld und gegenseitige Unterstützung unserer Liebe darauf zurückzuführen ist, dass wir nachdem wir noch nicht einmal ein halbes Jahr zusammen waren einen Monat auf 90cm geschlafen haben. Auch die zukünftige Arbeitsteilung nach Stärken und Schwächen wurden festgelegt, als wir in unserem alten T4 Boden in Holzoptik verlegten, das Bett mit der Karosserie verschraubten, den Bus neu dämmten und die Innenverkleidung austauschen. Und auch unser Alltag, den wir heute noch daheim und auf Reisen leben (ich mache das Bett, er holt Baguette, ich koche, er spült ab), entwickelte sich in jedem Roadtrip-Monat. Mit unserem Reisen sind wir gewachsen – jeder für sich und auch gemeinsam. Ihr sehr also, dass in den letzten Jahren unser Leben und die Liebe fest mit 4 Rädern verbunden sind, die uns an die schönsten Orte Europas bringen!

Und aus aktuellem Anlass (#brexit) will ich auch hinzufügen, dass es erst das Reisen mit dem Auto, das unbemerkt Überqueren der nicht mehr vorhandenen Grenzen, die Möglichkeit vom Nordkap bis nach Sizilien einfach durchfahren zu können, mich Europa wirklich nahe gebracht haben. Erst da verstand ich eigentlich für was Europa steht und welche Möglichkeiten es uns allen bietet. Bis dahin waren Fernreisen das Non-Plus-Ultra, das schnöde Europa tauchte nur vereinzelt auf meiner Top20-Bucketlist auf. Reisen in einem Van hat diese Perspektive vollkommen verschoben.

Reisen mit einem Van ist nicht zu vergleichen mit Fliegen oder Zugfahren. Es ist langsamer, behaglicher – und zeitgleich hat man mehr Möglichkeiten, mehr Freiheiten, hat jeden Moment seiner Reise in der Hand. Es entschleunigt und schärft de Sinne für alles, was einen umgibt. Wie oft bin ich schon über große Teile Europas geflogen und habe mich noch nie gefragt, was ich dort unten verpassen. Jetzt kann ich sagen, dass wir den Jacobsweg auf der Atlantikroute entlang gefahren sind, ich kenne die Fischerdörfe zwischenn Biarritz und Santander und weiß, wie schön die Gegend rund um Vichy und Clermont-Ferrand ist, was ich sonst nur von Kosmetikverpackungen und Schulbüchern kennen würde.

Wie einige von euch vielleicht noch wissen, haben wir unseren geliebten T4 Mopsi vor über einem Jahr an neue, liebende Hände abgegeben. Ich habe ihn wirklich abgöttisch geliebt und beim Verkauf die ein oder andere Träne vergossen. Aber durch ihn habe ich auch gelernt, dass die Plakettenregelung in Großstädten der größte Scheiß ist, Spurstangen teuer sind und kenne jetzt auch das Geräusch klemmender Bremsen in der Schwäbischen Alb.

Dann zog Megatron ein. (Nein, das ist kein Scherz. Ja, er heißt wirklich so.)

Und wie so oft bei alter und neuer Liebe fängt man gerade am Anfang an zu vergleichen: Was ist besser, was ist schlechter, was vermisst man, was will man anders machen. Kann ein Mercedes Viano genau so viel Spirit verströmen, wie ein kleiner, bunter, rostiger VW? Ich habe die Antwort für mich gefunden.

Mopsi war wie ein alter Mann, der mit einer Hippie-Hose im Park Enten füttern. Megatron ist der stille Bodyguard, der einen sicher und zuverlässig ans Ziel bringt und schützt, aber am Anfang vielleicht etwas kühl und distanziert wirkt. Aus dem Film „Bodyguard“ mit Kevin Costner und Whitney Houston wissen wir aber auch, dass auch daraus große Liebe werden kann.

Und wurde.

Wenn wir mit Megatron verreisen, dann klappen wir die Armlehnen herunter, schalten den Tempomat auf 110 bis 130km/h und schnurren der Küste Frankreichs entgegen. Nichts scheppert, knattert oder quietscht verdächtig. Obwohl er schwarz ist, ist er gut isoliert und heizt sich im Inneren nicht so stark auf, wie man es befürchten würde (denn ein schwarzes Campervan ist normalerweise ein halbes Todesurteil, wenn es draußen über 30°C hat!). Da er ein Multivan ist, können neben dem Fahrer noch 6 Leute mitfahren, wir bauen aber 2 Sitze sowie einen Tisch aus und die Rückbank wird zur Liegefläche, auf die wir noch eine extra Matratze legen.

Dann wird eingeladen: Surfboards (drei Stück inzwischen), Tische, Kocher, Wetsuits, Besteck, Geschirr, Zelte, Stühle, Körbe. Selbst ein Fahrrad fand im Innenraum schon Platz und – das Wunder – ein vollständig aufgebautes PAX-Eckelement aus dem IKEA. Raumwunder Van, muss ich mehr sagen?

Und dann liege ich da, schaue hinaus auf die Pinienbäume, Abends gibt es frischen Fisch oder Würschtl aus der kleinen Metzgerei ums Eck (Saucisses aux herbes!!! Saucisses aux canard!!!), wir machen einen Wein auf und sitzen bei Kerzenlicht da, blasen dichten Wasserpfeiffenrauch in die Baumkronen, während der Himmel sich von Blau ins Dunkellila verfärbt.

Vielleicht ist das einfach das Beste an unserem Van – nicht nur das ABS, die Airbags, Limitkontroller oder Tempomat; Nicht die Kapazität eines Kleinlasters und Großraumtaxis; Nicht die Parkdistance-Kontrolle (wobei das für mich ein absolutes PlusPlus ist und meine Liebe exponentiell verstärkt, vor allem in der Innenstadt) – Es ist vielleicht einfach die Möglichkeit einzusteigen und loszufahren. Für einen Abend, ein Wochenende, eine Woche oder einen Monat.

Einfach im wahrsten Sinne des Wortes nach vorne zu schauen, am Meer oder am See aufzuwachen, im Freien zu Frühstücken und im Schatten der Bäume zu dösen. Und wenn das mal keine Van Love Story ist…!

Van Love Story 6

Van Love Story 15

Van Love Story 16

Van Love Story 1

Van Love Story 2

Van Love Story 3

Van Love Story 11

Van Love Story 12Van Love Story 25

Van Love Story 5

Van Love Story 9

Van Love Story 8Van Love Story 10

Van Love Story 7

PS: Noch dieses Jahr soll ein Dieselverbot in Ballungsräumen wie München eingeführt werden, was für Besitzer solcher Vans einer Enteignung gleichkommt, da man entweder das Auto mit massivem Verlust verkaufen oder am Stadtrand abstellen muss. Und nachdem schon diese hirnrissige Plakettenregelung keinerlei Besserung gebracht hat, fragt man sich doch, was für eine neue Spitzenlösung eine neue Plakette, die auch saubere Diesel aus den Großstädten verbannt, aber alte Dreck schleudernde Benzinrostlauben zulässt…?

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