VW | Living The Dream

Zwei Jahre lang waren wir zu dritt unterwegs: Mein Freund, ich und Mopsbert, der VW-Bus. Er sah 7 Länder. Wir haben ihn geliebt, umgebaut, geschimpft, repariert, beklebt, gefahren, in ihm geschlafen, gekocht, gelesen, Gitarre gespielt, geschrieben, geträumt, gelacht.

Jetzt sucht Mopsi ein neues Zuhause.

Warum wir einen perfekten Surfer-Bus verkaufen und wie das denn so ist mit dem „Living The Dream“, lest es hier.

Er war fast mit seiner Diplomarbeit fertig und plante eine Abschlussreise. Wir waren noch kein Jahr zusammen und mein Arbeitsvertrag lief mitten im Hochsommer ab. Wohin weiter? Ich wusste die Richtung, aber kannte nicht das Ziel. Ich war schon oft rumgekommen und schwärmte für Reise-Romantik. Er konnte mir auch mitten in der Nacht etwas über V8-Motoren und den Unterschied zwischen Keil- und Zahnriemen erklären. Und dann sagte er, dass er überlegt einen Europatrip zu machen, mit einem VW-Bus und wenn es bei mir soweit wäre, dann würde er mich an einem Flughafen abholen und wir würden zusammen weiterfahren. Wohin es uns gefällt.

Fahren, wohin es uns gefällt.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung von alten VW-Bussen. In meiner Hippieromantik kamen Spitzenvorhänge vor, Traumfänger und perfekt aufeinander abgestimmte Tischsets. Was nicht darin vorkam waren blockierende Bremsen, die Frage nach der Wohnmobilzulassung oder wann die Riemen zu tauschen sind. Mir war nicht bewusst, dass T1-Modelle unbezahlbar sind und dass 68PS bedeuten, dass man bergauf auf der linken Spur dahinkriecht. Aber ich hatte auch noch nicht begriffen, worin der wahre Traum besteht. Nicht umsonst stehen Surfer-Vans für ein Lebensgefühl – um das zu verstehen, muss man es zumindest einmal gelebt haben, diesen Traum.

Bei unserer ersten Reise war Mopsi fast ein Wohnwagen, denn es gab hinten eine weiche Sitzecke mit Tisch, die man zu einem Bett ausklappen konnte. Außerdem eine ganze Schrankwand und einen Schreibtisch an der Trennwand zwischen Fahrerkabine und dem Wohnraum. HerrGottNochMal, er hat sogar einen BART :) Und auch eine Markise, die zu einem kompletten Vorzelt ausgebaut werden konnte. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung auf Rädern sozusagen. Nur konnte man alles hinten reinschmeißen und sofort losfahren. Man konnte schlafen, wo man wollte. An einem Tag sind wir einfach dem Regen davongefahren.

Keine Grenzen.

Home Is Where You Park It

Im zweiten Jahren bauten wir ihn um und legten uns richtig ins Zeug: Die Trennwand kam raus, den Beifahrersitz konnte man nun nach hinten drehen. Es gab eine Truhe für Bettwäsche, eine Stange für die Kosmetiktasche, ein Nachtkästchen und das Beste: Ein großes, weiches Bett, das wir mit der Karosserie verschraubten. Sogar einen Boden in Holzoptik hatten wir verlegt! Wir bauten die Verkleidung aus, dämmten ihn neu, strichen die Wände und ich brachte sogar ein Wandtattoo in Bambusoptik an. Jedes Mal, wenn die Schiebtür aufglitt, weil wir an einem Ort angekommen waren und auspackten, erfasste mich pure Freude.

Warum er nun verkauft wird? Weil es Liebe ist. Weil er gefahren und genutzt werden soll. Von Jemandem, der ihn ans Meer bringt. Der ihn wieder umbaut. Ihn gut behandelt. Im neuen Jahr stehen wieder viele neue Dinge an, eine Fernreise zum Beispiel und ob Mopsi wieder das Meer sehen wird oder doch monatelang nur in der Garage steht, ist ungewiss. Denn wer sich einen Bus zulegt, der muss auch das Leben dazu leben. Es ist ein Bus, der Träume erfüllt und dich an deine Wunschorte bringt. Er ist dein Schutz, dein Gefährte, dein Fahrzeug, dein Zuhause. Er ist der Wagen auf dem Weg, der das Ziel ist.

Wir fuhren nach Venetien, nach Österreich, durch die Schweiz, nach Frankreich. Wir fuhren an die Atlantikküste bei Carcans, schlängelten uns durch die Straßen von Biarritz, kamen auf dem schnelleren Pilgerpfad nach Santiago De Compostela. Wir hielten in Wäldern und an Küsten, in Porto und Lissabon. Wir blieben mal im Sand stecken.

Reisen mit dem Bus ist wie das Leben selbst: Time flies, but you’re the pilot und es geht, wohin du willst. Reisen mit einem Bus bedeutet Freiheit zu gehen und Freiheit zu bleiben.

Zum Meer fanden wir immer und am Meer brauchten wir kein Navi. Wenn wir verschlafen hatten, fuhren wir auch mal in der Mittagshitze bei heruntergelassenen Fenstern und Countrymusik durch staubige, sandig-rote Nationalparks. Nachts leuchteten die Lampignons und die Shisha schmeckte nach Minze und Kokos. Gegen die Mücken brannten Nag Champa Räucherstäbdchen. In der Kühlbox gab es immer Wein und in Frankreich immer frisches Baguette am Morgen. Während es stürmte, gewitterte, hagelte und regnete lagen wir im Bus unter der Decke und lauschten dem Sturm. Es hörte sich an als würde draußen die Welt untergehen, aber im Bus waren wir sicher.

Zwei Jahre und vor allem zwei Sommer sind eine kurze Zeit. Eine Zeit, in der ich einen Traum lebte. Eine Zeit, in der man an der Küste aufgewacht ist, weil Flut am Strand war und der Ozean so laut. Eine Zeit, in der „Was machen wir am Wochenende?“ bedeutete: „Lass uns einfach fahren.“.

Und jetzt steht da: VW T4 abzugeben. 176.000km. 8,3l/100kmh. Rostfrei. Bei Interesse bitte melden.

Better Together VW T4

VW T4 Road Trip Surf Van

VW T4 Surfer Van Home Is Where You Park It

Home Is Where You Park It 2 Roadtrip T4

Roadtrip Collage 2

Mopsi Collage Roadtrip T4

T4 Mustache

RoadTrip Feeling

PS: Hier geht’s zur Anzeige.

11 Comments
    1. Danke ihr Lieben für all eure herzlichen Kommentare!
      Auch ich hoffe, dass Mopsi in gute Hände kommt.

      Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich den Traum zu erfüllen, so bereite ich gerade einen längeren Post über den Kauf eines alten Busses vor :) Bis Bald! Eure Julia

  1. Oh mein Gott!
    Der ganze Text liest sich einfach nur wie ein unfassbar schöner Traum!
    Am liebsten alles hinter sich lassen, in Mopsbert springen und ein Jahr lang losfahren!
    Wunderbar. Und auch so schöne Erinnerungen die du da teilst!
    Ich wünschte ich hätte das nötige Kleingeld im Moment!

    Alles Liebe und ein schönes Wochenende, ihr solltet nochmal Mopsi ausfahren!

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