WARUM MAN GOOGLE MAPS NICHT IMMER VERTRAUEN SOLLTE

Warum man Google Maps nicht immer vertrauen sollte

Google Maps – ein echtes Wunderwerk der Technik, ein Meilenstein in der Navigation und wenn wir ehrlich sind: Aus unserem Leben und von unseren Reisen nicht mehr wegzudenken! Zuverlässig bringt es uns Zuhause von A nach B und im Ausland zu den Hotspots, Restaurants und Bars. Aber manchmal eben auch nicht!

Damals

Ich erinnere mich an Früher und ich fühle mich alt, während ich das schreibe: Als ich ca. 8 Jahre alt war, da sind wir auch mal mit dem Auto nach Russland zur Familie gefahren, haben das dort verkauft und sind dann zurückgeflogen. Flugtickets waren teuer. Es war 1996 oder auch schon 1998 und Navis in Autos waren noch so ziemlich Zukunftsmusik, zumindestens für meine Mama und mich. Wir hatten einen dicken ADAC-Straßenatlas für Osteuropa und haben einmal nur zweianhalb Tage gebraucht und einmal ganze vier Tage, weil wir 28h an der Ukrainischen Grenze im Vollstau standen und im Auto schliefen. Aber angekommen sind wir trotzdem.

Heute

Juni 2017, irgendwo in Ostbali. Wir hätten nur 30 Minuten brauchen sollen, sind aber schon seit über einer Stunde unterwegs. Einmal meinte ich, einen handgeschriebenen Wegweiser am Straßenrand gesehen zu haben, aber wir sind zu schnell vorbeigefahren und ich konzentrierte mich weiter auf den blauen Navipfeil vor meiner Nase. Wir sind auf der Suche nach dem Pura Lempuyang, einem wunderschönen Tempel in den Bergen. Aber wir stecken fest: Auf einer Straße, die den Namen kaum verdient, eher einer Sand- und Schotterpiste mit einem fast senkrechten Abfahrtswinkel mit Löchern, Geröll und Schlamm und Baumstämmen und die, wie wir später verstehen, zur Wald- und Forstwirtschaft genutzt wird. Von Baggern und Traktoren, aber sicherlich nicht von Autos und erst recht nicht von Rollern. Noch dazu ist es eine Sackgasse. Balinesische Straßenverhältnisse sind manchmal nicht perfekt, aber als wir auf autoreifengroßen Felsen aufsetzen und die Räder im Schlamm durchdrehen, kehren wir um.

Die wenigen Einheimischen, die wir treffen, lachen. Pura Lempuyang? Nee, die Straße führt da sicher nicht hin.

Laut Google Maps wären wir in 400m am Tempel, der weit und breit nicht zu sehen ist. Noch dazu hat man von dort eine phänomenale Aussicht auf den Vulkan, der ebenfalls ganz woanders liegt. Langsam wacht auch bei uns der gesunde Menschenverstand auf!

Auf dem Weg zurück gabeln wir noch zwei weitere Touris auf, die den gleichen Fehler machen wollen wie wir. Gemeinsam folgenden wir den handgeschriebenen Schildern am Straßenrand, fragen uns durch und sind nur 4km später am Ziel!

Oder kennt ihr schon diese Geschichte aus Norwegen, als Hunderte von Touristen in ein kleines norwegisches Dorf gespült wurden statt zum Nationalwahrzeichen bei den Fjorden?

Wie funktioniert Google Maps?

Um zu verstehen, wie Google Maps sich irren kann, muss man verstehen, wie es funktioniert. Zunächst einmal ist es sehr viel mehr als nur eine Karte mit Straßen. Denn wenn wir eingeben, was wir suchen oder wohin wir fahren wollen, so bekommen wir die kürzeste Route auf einer befahrbaren Straße, die uns nicht per Vogelflug durch z.B. einen Sportplatz führt. Außerdem bekommen wir alternative Wegvorschläge, Points of Interests und die Fahrzeit angezeigt. Woher kommt also dieses geballte Wissen?

Google hat es wie kein anderer Anbieter seiner Zeit verstanden Online- und Offlineinformationen miteinander zu verknüpfen. Die Onlineinformation wäre „der kürzeste Weg von A nach B laut Satellitaufnahmen“. Die Offineinformation besagt aber, dass die vermeintliche Straße die Sprintbahn des Sportplatzes ist. Und man daneben nur 30km/h fahren darf.

Hier kommt auch schon der erste Schritt ins Spiel: Aufnahmen unserer Städte und Dschungel von oben aka Satellitenaufnahmen. Diese sind nichts weiter als hochaufgelöste Bilder, die nun via Auswertung („Was sehe ich auf dem Photo?“) in Kartenformat gebracht werden müssen. Vereinfacht gesagt: Einmal das Foto appausen bitte! Diesen Schritt kann man zum einen bei entsprechenden Dienstleistern einkaufen, Google hat hierfür eigene Teams. Dazu gibt es noch so genannte „Ground Truthers“, die die Fotos und dazugehörigen Karten, die bis jetzt nur digital existieren, in der echten Welt überprüfen. Dazu gehört zum Beispiel u.a. das Konzept Google Streetview, das dazu beiträgt, die bereits bestehenden Daten u.a. zu verifizieren und erweitern.

Die Karteninformationen werden also angereichert und speisen sich aus gigantischen Datenbanken, die u.a. beinhalten, wo man Links nicht abbiegen kann, wo Autobahnauffahrten sind und wie wie schnell man auf einem Straßenabschnitt fahren darf. Noch dazu lernt das System automatisch mit, z.B. dass ein Verkehrszeichen das Linksabbiegen verbietet. So können gewonnene Aufnahmen aus Streetview auch automatisch in Daten und Informationen umgewandelt werden. Aber ganz automatisiert können die Aufnahmen nicht verarbeitet werden. Noch nicht.

Wie kann Google Maps sich irren?

Die zusammenarbeit von manueller, menschlicher Arbeit und einem sich stets verbessernden, lernenden System führt bei der großen Datenmenge natürlich zu Abweichungen. Diese können bei nur 10m liegen, in unserem Fall bei 4km und manchmal, wie im Fall von Norwegen, bei 30km.

Hier können sowohl Menschen Fehleinschätzungen unterlaufen (z.B. auf der Satellitenaufnahme eine Forstweg für eine Straße halten). Oder die Google Maschine erkennt nicht, dass Wendemöglichkeiten bestehen, man nicht abbiegen kann oder etwa Wegabschnitte als die schnellere Route anzeigt werden, obwohl man nur 10km/h fahren darf und länger benötigt.

Aus diesem Grund gehen Tausende Fehlerreports bei Google ein, die immer noch von Mitarbeitern kontrolliert und ausgebessert werden. Manuell.

Was also tun?

Wenn man ein Freund der Technik ist und die zukünftige Verbesserung des Tools vorantreiben möchte: Fehler melden und hoffen, dass man damit jemandem in Zukunft weiterhelfen kann.

Letzten Endes muss man sich aber auch wieder vor Augen führen, wie abhängig wir inzwischen von Datengiganten sind und uns auf sie tagtäglich verlassen, obwohl es sich hierbei um ein privates Unternehmen und keine übergeordnete, unabhängige Institution handelt. Google Mail, Google Drive, Google Maps und Google Search (um nur ein paar Produkte der Google Welt zu nennen) sind in vielen Bereichen des Lebens nur schwer wegzudenken, dabei gibt es Google Maps erst seit 2005! Und das Tool lernt immer noch. Trotzdem haben Unternehmen wie Restaurants einen eindeutigen Wettbewerbsnachteil, wenn sie nicht auf der größten Karte der Welt gelistet sind.

Für uns ist Google Maps auf unseren Reisen eine große Unterstützung. Aber manchmal schadet es auch nicht, nach Links und Rechts zu schauen, nach Straßenschildern ausschau zu halten, zu stoppen und den Einheimischen was zum Lachen zu geben, wenn man völlig planlos nach dem Weg fragt. Zur nächsten Bar bringt Google Maps einen aber ganz bestimmt! Und wenn nicht, kann man ja auch einfach mal drauf losfahren und anhalten, wo es einem gefällt ;)

Und wer jetzt denkt, der Kartediens sei nur im Dschungeldickicht unzuverlässig, irrt sich! Erst kürzlich erfuhr ich von Freunden, dass ihre Adresse bei Google Maps falsch berechnet wurde. Mit dem Ergebnis, dass sich Leute permanent auf dem Weg zu ihnen verfahren. Aber auch Pakete nicht ankommen und sie Lieferdienste vergessen können. Verrückt oder? Wie kamen Pakete und Pizza im Jahr 2004 an….?

 

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