Weekend | BBQ Time

Als ich noch klein war, habe ich im Sommer oft mit meinem Opa auf unserer Datscha in Russland übernachtet.

Eine Datscha ist ein größeres oder kleines Haus oder Grundstück am Stadtrand, auf dem man sein eigenes Obst, Gemüse, Bäume oder Blumen anbauen kann, vergleichbar mit einem Schrebergarten, nur größer. Wenn es dann dunkel wurde und er die meiste Arbeit erledigt hatte (ich buddelte meistens nur im Dreck und füllte die Wassereimer auf), machten wir in einer alten Blechschale ein Feuer. Die Kartoffeln schmiss er ohne irgendwelche Folie einfach in die Glut, denn wenn sie durch sind, konnte man die verkohlte Haut ganz einfach abschälen und hatte eine dampfende, frische Kartoffel vor sich. Ich erinnere mich noch genau, wie er die Kartoffeln mit bloßen Händen aus der Glut holte bis heute grille ich Kartoffeln nie mit Alufolie. Dazu gab es Würstchen, die wir auf Stöcke spießten, die wir von den Kirschbäumen geschnitten hatten, und alles, was der Garten hergab: Knoblauch, Tomaten, Gurken, Dill. Er trank sein Bier und ich trank meine geliebte Birnenlimonade. Wenn ich daran zurückdenke, gehört das zu den schönsten Erinnerungen meiner Kindheit. Er und ich auf der Datscha.

Meine Liebe zu Feuer, zum Grillen, zur Natur – einfach gemeinsam draußen zu sein und zu essen – ich bin mir sicher, damals wurde sie entfacht. Mein großer Traum ist bis heute kein begehbarer Kleiderschrank, sondern eine Terrasse, auf der ich eine Feuerschale und einen Grill aufstellen kann. Ich will mit Freunden und Familie in den seltenen, lauen Münchner Sommernächten dasitzen, etwas brutzeln lassen, Kräuter schmecken, die ich selbst gesäht habe, Tomaten schneiden, die ich selbst gepflanzt habe.

Noch ist der Traum von einem Garten ferne Realität, aber in unserer Wohnung haben wir uns einen Ort geschaffen, der nichtsdestotrotz unser grünes Paradies ist: Unser Balkon. Hier konntet ihr bereits im Frühjahr meine Tipps für einen schönen Balkon nachlesen. Jetzt, wo er fertig ist, genießen wir die sommerlichen Nachmittage und Abende. Und auch hier brutzelt es bereits fleißig, auch wenn Feuerstelle, Feuerschale oder ähnliches fehlt.

Aus Rücksicht auf die Nachbarn neben, über und unter uns, aus Gründen der allgemeinen Sicherheit und auch, weil ich einfach nichts vom Grillen als Kunstform halte, besitzen wir einen einfachen Elektrogrill. Kein Weber, kein Smoker, kein Vakuumrocketscienceding. Der wird bei Bedarf auf dem Balkon oder einfach auch mal bei offenem Fenster auf den Tisch gestellt und das Essen nach draußen durchgereicht. An meiner Art und Weise des Grillens hat sich nicht viel verändert: Würzen, einlegen, drauf legen. Kochbücher und Temperaturmesser? Hatten wir damals nicht und brauche ich heute auch nicht. Der Elektrogrill hat letzten Endes nur zwei Nachteile: Es fehlt der typisch rauchige Kohlegeschmack und ein Stromanschluss muss vorhanden sein. Perfekt für eine Wohnung mitten in der Stadt also, wenn man nicht seine ganze Nachbarschaft einräuchern will und der Balkon meist auch keine 2m von der nächsten Steckdose entfernt liegt.

Wer aber zum Beispiel überlegt, sich einen Gasgrill zuzulegen, für den hat Hagebau* einen Grillratgeber veröffentlicht, in dem ihr hier blättern könnt – inklusive Vor- und Nachteile und für was sich die jeweilige Grillart eignet. Denn eins kann ich euch sagen, liebe Freunde: Mit so einem Einweggrill von der Tanke tut ihr niemandem einen Gefallen! Weder eurer Umwelt mit dem Müll, der da produziert wird, noch euch mit den Chemikalien, die in solchen Grills enthalten sind. Und warum ich prinzipiell ohne Alufolie grille, könnt ihr hier ebenfalls nachlesen!

Und für uns muss es auch nicht das marinierte Billigfleisch aus dem Discounter sein – mit den ganzen Läden in Giesing steht uns die Küche der Welt offen! Am Ende entscheiden wir uns für den türkischen Supermarkt: Es gibt gegrilltes Lamm und Käse, kalten grünen Tee mit Minze und Gurken, Tabouleh, Baklava und selbstgemachtes Tzaziki.

Nach dem Essen fallen uns auf dem Balkon die Augen zu. Es ist noch warm. Unser kleiner Garten.

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*Der Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung durch Hagebau. Vielen Dank!

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